Katastrophenschutz


Veränderungen der politischen Gegebenheiten in Europa (Ost-West-Entspannungsprozess, Wiedervereinigung Deutschlands, internationale Katastrophen / Terroranschläge), begleitet von einschneidenden Änderungen der politischen Vorgaben im Zivil- und Katastrophenschutz, sowohl finanziell als auch strukturell, und die insbesondere im Bereich des Rettungsdienstes in den vergangenen Jahren veränderten Hilfeleistungsstrukturen haben eine Anpassung des Leistungsangebotes der Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz erforderlich gemacht.

Die Größe der bisher bestehenden Einheiten des Sanitäts- und Betreuungsdienstes des Katastrophenschutzes, ihre langen Alarmierungszeiten und ihre stark auf den Zivilschutz abgestimmte Ausstattung und Ausbildung haben dazu geführt, dass diese Einheiten bei der Bewältigung von Schadensereignissen in den vergangenen Jahrzehnten immer weniger zum Einsatz kamen.

Überlastete Rettungsdienste und Feuerwehren bei größeren Schadenslagen einerseits, und frustrierte, demotivierte, weil nicht mehr gebrauchte Helferinnen und Helfer der Hilfsorganisationen andererseits, waren die Folge.

Um diesem Misstand Abhilfe zu verschaffen, bildeten die Hilfsorganisationen sogenannte "Schnell-Einsatz-Gruppen" (SEG) als Zwischeninstanz zwischen dem kommunalen Rettungsdienst und den Katastrophenschutzeinheiten, um diese Lücke zu schließen. Die alten Einsatzeinheiten blieben erhalten, wurden aber im Zuge ihrer veränderten Aufgabenstellung hinsichtlich ihrer Flexibilität und Leistungsstärke modernisiert.

Personalstärke

Die Personalstärke einer heutigen Einsatzeinheiten beträgt 33 Einsatzkräfte.

Zu jeder Einsatzeinheit gehört ein Arzt mit einer erforderlichen Zusatzqualifikation, dem sogenannten "Fachkundenachweis Rettungsdienst". Darüber hinaus ist mindestens eine personelle Zweitbesetzung der Einsatzeinheit zu gewährleisten.

Zugtrupp

Der Zugtrupp ist die Führungsgruppe einer Einsatzeinheit. Neben dem Zugführer und seinem Stellvertreter dem Zugtruppführer gehören ihr ein Fahrer und ein Führungshelfer für den Bereich Kommunikation an.

Der Zugtrupp

- stellt die Kommunikation und Kooperation mit der übergeordneten Führungsstelle und benachbarten Einheiten sicher, nimmt Einsatzaufträge entgegen und informiert über Lageentwicklung und Einsatzabwicklung
- nimmt die Feststellung und Beurteilung der Lage im Einsatzbereich der Einsatzeinheit vor
- regelt den sanitäts- und betreuungsdienstlichen Einsatz unter Beratung mit den Fach- und Führungskräften
- erteilt Aufträge an die Gruppe der Einsatzeinheit und kontrolliert deren Durchführung
- trägt Sorge für die Sicherheit im Einsatz mit Unterstützung der Fach- und Führungskäfte
- trägt Sorge für die Verstärkung, Ergänzung und Ablösung der Einsatzeinheit, bzw. von Teileinheiten

Sanitätsgruppe

Aufgrund der notfallmedizinischen Entwicklung des Rettungsdienstes hat sich die Aufgabenstellung der Sanitätsgruppen ebenfalls verändert. Bei Ereignissen mit Personenschäden wird die Rettungsdienstleitstelle je nach dem Ausmaß der Schadenslage - entsprechend den festgelegten Alarmierungs- und Einsatzvorgaben - alle zur Verfügung stehenden eigenen Rettungsmittel, ggf. Rettungsmittel benachbarter Städte, Schnelleinsatzgruppen und den Luftrettungsdienst alarmieren und einsetzen. Es ist davon auszugehen, dass die primäre Versorgung von Verletzten durch rettungsdienstliches Personal begonnen wird. Ein Leitender Notarzt (LNA) hat die medizinische Einsatzleitung und bestimmt zusammen mit dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (OrgL RD) den Einsatz der Rettungsmittel. Damit kommt dem Sanitätsmodul im Wesentlichen eine verstärkende und ergänzende Funktion zu.

Die Sanitätsgruppe

- führt dringend benötigtes Material, wie Decken, Tragen, Infusionen, Beatmungsgeräte, Verbandstoffe usw. an die Einsatzstelle und unterstützt die Notärzte und das Rettungsdienstpersonal - soweit notwendig - bei der Versorgung der Verletzten (Herstellen und Aufrechterhaltung der Transportfähigkeit)
- schafft durch die Einrichtung eines Verbandplatzes die erforderliche Infrastruktur an die Einsatzstelle heran
- sucht ggf. Verletzte und führt deren Erstversorgung durch
- übernimmt erstversorgte Patienten, z.B. von Verletztenablagen und bringt diese zum Verbandplatz
- versorgt und betreut Verletzte und Kranke bis zu deren Abtransport in die Klinik
- versorgt die leichter verletzten Betroffenen und sorgt somit für eine Entlastung des Rettungsdienstes, der Notärzte und der Krankenhäuser
- übernimmt die medizinische Versorgung kontaminierter Verletzter und führt die behelfsmäßige Dekontamination durch
- nimmt unverletzt Betroffene in ihre Obhut und betreut diese bis zur Übergabe an die Betreuungskompone
- sorgt für Registrierung und Dokumentation

 

Betreuungsgruppe

Schadensereignisse lassen sich aufgrund ihrer Komplexität sehr selten nur einem Fachdienst zuordnen. Fast immer sind die Menschen individuell unterschiedlich von einem Unglückfall betroffen. Nicht alle Betroffenen sind verletzt und werden daher auch nicht vom Rettungs- und Sanitätsdienst versorgt und in ein Krankenhaus gebracht.

Die Betreuungsgruppe

- leistet den Betroffenen überall dort Hilfe, wo man sich aufgrund der Situation aus eigenem Vermögen nicht selbst helfen kann
- betreut und versorgt hilfebedürftige Menschen mit lebensnotwenigen Versorgungsgüteraufgaben
- sorgt für Verpflegung und vorläufige, vorübergehende Unterbringung von Betroffenen
- sichert die sozialen Belange der Betroffenen
- bietet Einsatzkräften aller Fachbereich bei längeren Schadensverläufen Rückzugsräume und Verpflegung
- gliedert sich in die Komponenten Soziale Betreuung, Unterkunft und Verpflegung

 

Technik und Sicherheit

Die Gruppe Technik und Sicherheit

- verrichtet handwerklich-technische Tätigkeiten mit entsprechenden Werkzeugen und Hilfsmitteln
- errichtet Zelte
- errichtet und betreibt sicherheitsgerechte, technische Geräte und Anlagen (z.B. Notstromversorgung, Beleuchtung, Zeltheizgeräte)
- überwacht die technischen Geräte während des laufenden Betriebes
- wirkt bei der Logistik der gesamten Einheit mit
- überwacht den geeigneten Atem- und Körperschutz der Einsatzkräfte
- bietet technische Unterstützung bei der Personen-Dekontamination
- berät die Einheit fachlich bei Unfällen mit chemischen und radiologischen Stoffen
- führt technische Maßnahmen zum Schutz der Einheit bei Unfällen mit Gefahrstoffen durch

Über die technischen Tätigkeiten hinaus überwacht die Gruppe Technik und Sicherheit die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitsschutzvorschriften, der Unfallverhütungsvorschriften und anderer Sicherheitsvorschriften.

© Letzte Änderung:03.01.2010 Malteser Düsseldorf
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