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Malteser Düsseldorf

Fiktion und Realität dramatisch in Szene gesetzt

Flüchtlinge konzipieren Theaterstück im Rahmen des Malteser- Integrationslotsenprojekts

08.07.2017
Flüchtlinge und Einheimische erarbeiteten das Theaterstück "Ankommen"

 

 

Neuss. Am 1. Juli war es soweit: Im Rahmen einer Werkschau präsentierten die Teilnehmer des Theaterprojektes “Ankommen“ ihre Arbeitsergebnisse eines halben Jahres. Die Gruppe von Schülern des Berufskollegs Neuss (BTI), bestehend aus Einheimischen und Flüchtlingen, hatte im Rahmen des bundesweiten Integrationslotsenprojekts unter künstlerischer Verantwortung des OFF-Theaters NRW in Neuss und Projektleitung durch die Malteser Düsseldorf ein selbst erarbeitetes Bühnen-Konzept vorgestellt. Dieses ging unter die Haut. Seit Januar hatten sich die Jugendlichen zwei Mal wöchentlich getroffen, um gemeinsam ein Theaterstück auf die Beine zu stellen. „Die Idee war, deutsche Schüler mit Flüchtlingen zusammenzubringen“, erzählt Marcel Beeck, Schulsozialarbeiter am BTI. Seit Herbst 2015 befinden sich ca. 80 Flüchtlinge am Berufskolleg. Die Beteiligung am Theaterprojekt sei zunächst phänomenal gewesen, erinnert sich Beeck. Mit Unterstützung von Politiklehrer Ali Bostanci seien zunächst regelmäßig 30 Schüler hoch engagiert gewesen. Durch persönliche, zum Teil veränderte Lebensumstände habe sich die Anzahl der Mitwirkenden zuletzt jedoch etwas reduziert. Dem Engagement und Ideenreichtum der Verbleibenden hat dies jedoch augenscheinlich keinen Abbruch getan.

 

Wenn es um das Erlernen des Wesens unserer Demokratie geht, gibt es für die jungen Flüchtlinge kaum einen besseren Weg als Theaterprojekte: Texte müssen gemeinsam erarbeitet werden, Abläufe werden abgestimmt, Achtsamkeit und Respekt sind Voraussetzung für das Gelingen einzelner Szenen und das Vertrauen in der Gruppe ermöglicht das Erzählen individueller biografischer Erlebnisse“, so der Projektleiter der Malteser Düsseldorf, Jürgen Claessens.

 

In Anlehnung an einen Roman einer somalischen ehemaligen Olympionikin, die später auf der Flucht vor Bürgerkrieg, Not und Hunger ihr Leben aufs Spiel setzte, entwickelten die Teilnehmer ein Drehbuch, das berührt. Das Besondere: In Wahrheit verbirgt sich auch hinter jenem Skript eine persönliche Geschichte: Ein Riss geht durch eine Familie. Der Onkel eines Jungen – nennen wir ihn Jawid – gehört den Taliban an. Sein Vater weigert sich jedoch, mit der Miliz zu kollaborieren. Dies hat dramatische Folgen. In kürzester Zeit wird Jawid Zeuge von unvorstellbaren Gräueltaten: Zwei Familienmitglieder werden hingerichtet, weibliche Angehörige werden nicht nur verprügelt, dem Vater wird ein Bein abgeschlagen.

 

Um Jawid zu schützen, organisieren die Eltern seine Flucht, ohne zu wissen, wie diese endet. Jetzt lebt der Jugendliche seit fast 1 ½ Jahren in Deutschland, doch hat seinen Abschiebebescheid erhalten. Obwohl er nicht weiß, wie es seiner Familie ergangen ist, kann er eigentlich nicht zurückkehren: Allein, weil er in Europa war und dort Freiheit erlebt hat, westliche Musik gehört und unverschleierte Frauen gesehen hat, könnten die Taliban nach seinem Leben trachten.

 

Neuste politische Entwicklungen hier bei uns im Land - Jawids Wahlheimat - erschweren die Situation aller Asylsuchenden aus Afghanistan: Die Sicherheitslage soll neu bewertet werden. Bevor dies jedoch nicht geschehen ist, werden Afghanen, die in Deutschland Asyl beantragt haben, vorerst nicht mehr erfahren, ob sie bleiben dürfen. Jawid ist gelähmt vor Angst. Wie sein weiterer Weg verlaufen wird, ist unklar.

 

Die Spannung und Dramatik der größtenteils authentischen Geschichte berührt in besonderer Weise. Erfreulich daher: Die produktive Arbeit der Teilnehmer soll im Rahmen des Projekts auch nach den Sommerferien weitergeführt werden. Dann dürfen wir uns hoffentlich auch auf eine erfolgreiche Premierenvorstellung des aufwendigen Stücks freuen. Bleibt zu hoffen, dass dem Protagonisten der Geschichte zuletzt ebenfalls ein persönliches ein Happy End vergönnt ist.

 

 

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