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Malteser Düsseldorf

Mentale Stärke durch den Wohlfühlmorgen

Ludwig Schmidt (58): "Für mich bedeutet der Wohlfühlmorgen Zuflucht und ein wenig Zuhause"

17.10.2017
Ludwig Schmidt und WFM-Teammitglied Silvia Odenweller. Bei ihr und ihren Kollegen vom Wohlfühlmorgen fand der 58-Jährige Kraft

Der Wohlfühlmorgen in Düsseldorf ist eine feste Institution.Seit über 16 Jahren findet die beliebte Malteser-Veranstaltung, bei der Wohnungslose und Arme kostenlos speisen und Wellness erfahren können, im Düsseldorfer St. Ursula Gymnasium statt. Passend zur Oktoberfest-Zeit stand der jüngste WFM jetzt auch ganz unter bayerischem Motto: Auf blauweißer Bierzelt-Deko wurden Weißwürstel, Brezen und andere Schmankerl serviert. Das hat auch ihn gefreut: Ludwig Schmidt.

 

Der 58-Jährige kommt seit sieben Jahren regelmäßig zum caritativen Event der Malteser. Für den Norddeutschen wurde der Wohlfühlmorgen und vor allem dessen Team nämlich zur wichtigen mentalen Stütze im Kampf um sein Leben. Nach jahrelanger Alkoholsucht und Obdachlosigkeit im Ausland beschloss der ehemalige Gastronom, zurück in Deutschland, Bier, Schnaps und Wein den Kampf anzusagen. Das WFM-Team freute sich nicht nur für ihn, sondern bestärkte Schmidt auch regelmäßig in seinem Entschluss, gab ihm Kraft um weiterzumachen.

 

Besonders Freiwilligen-Helferin Silvia Odenweller stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Ludwig Schmidt schaffte den Entzug und nahm sein Leben wieder selbst in die Hand. Er fand einen Job, unterstützt seither junge Menschen und hilft seinen früheren Leidensgenossen von der Straße. Zum Wohlfühlmorgen kommt er trotzdem immer noch gerne. Die familiäre Verbundenheit ist geblieben und wird es wohl auch weiterhin. Exklusiv erzählte uns der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann jetzt seine ganz persönliche Geschichte.

 

Malteser Presse: Wie sind Sie in eine Lebenssituation geraten, in der Sie dringend auf Hilfe für die notwendigsten Dinge angewiesen waren?

Ludwig Schmidt: Ich war aus beruflichen Gründen 20 Jahre lang im Ausland, davon 17 in Marokko und drei in England. Damals habe ich noch viel getrunken, eine ganze Menge sogar. Manchmal mehrere Flaschen Doppelkorn am Tag.

Malteser Presse: Wann sind Ihnen die Dinge entglitten?

Ludwig Schmidt: Dass ich in den Alkoholismus verfallen bin, hängt im Endeffekt schon mit meiner Kindheit zusammen. Das lag am Elternhaus. Dies ist ein Punkt, den viele verdrängen oder einfach nicht darüber sprechen. Zum Glück habe ich mittlerweile gelernt, darüber zu reden.

Malteser Presse: Wie hat sich Ihre Laufbahn konkret vollzogen?

Ludwig Schmidt: Nach meiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann habe ich einige Zeit im Einzelhandel gearbeitet. Anschließend hatte ich mich mit einem Restaurant selbstständig gemacht. Bei mir fing das Alkoholproblem jedoch schon in der Jugend an und dann ging es beruflich direkt weiter: Da kamen verschiedene Enttäuschungen und Trennungen von Freundinnen zusammen. Es ist ein Kreislauf, aus dem man schwer wieder herauskommt. Ich ging dann zum Militär, woraufhin es mich schließlich ins Ausland verschlug, wo ich insgesamt zwei Jahrzehnte verbrachte.

 

 

Malteser Presse: Was war Ihr erstes Ziel?

Ludwig Schmidt: Nachdem die letzte Beziehung in die Brüche und meine Selbstständigkeit zu Ende gegangen waren, habe ich gesagt: „Ich packe meine Sachen und gehe nach Marokko."

Malteser Presse: Warum sollte es ausgerechnet Marokko sein?

Ludwig Schmidt: Ich bin früher schon dort im Urlaub gewesen und wusste, dass es da schön war. Besonders die Frauen waren sehr hübsch und ich war ja solo.

Malteser Presse: Was haben Sie dort gemacht?

Ludwig Schmidt: Ich habe als Restaurant-Chef gearbeitet und auch als Bodyguard des Königs Hassan II., später kam dann Mohammed VI..

 

 

Malteser Presse: Wie kommt man denn zur Leibgarde des Königs?

Ludwig Schmidt: Indem Sie da arbeiten, wo Leute aus dem Umfeld des Königs verkehren. Z.B. die Frau des Butlers oder dessen Kinder, die man dann schon mal zum Pool begleitete. Ich kenne mittlerweile sehr viele Leute.

Malteser Presse: Wie verlief die Arbeit für den Monarchen?

Ludwig Schmidt: Der König war ein ganz feiner Mensch. Man bewachte ihn ja nicht allein. Er wohnte dann im Hotel und fuhr schon mal mit dem Fahrrad zum Strand, wenn er Lust hatte. Später passierte das nicht mehr, aus Angst vor Terroranschlägen. Damals lief jedoch ein Bodyguard neben ihm und der Rest bekam Panik, da man sich fragte, „Wo geht er nun hin“. Er ist dann aber in dieser Beziehung auch vorsichtiger geworden.

 

 

Malteser Presse: Hat der König Sie auch mal persönlich sehen wollen, wenn Sie schon für ihn arbeiteten?

Ludwig Schmidt: Nein, den bekam man eher selten zu sehen. Er hatte außerdem noch eine eigene echte Raubkatze. Die war quasi sein engster Bodyguard.

Malteser Presse: In welchem Jahr war das?

Ludwig Schmidt: Ich bin im Jahre 1994 übergesiedelt.

Malteser Presse: Und Sie haben sodann 17 Jahre lang in Marokko verbracht?

Ludwig Schmidt: Richtig. Zum einen habe ich als Bodyguard gearbeitet, zum anderen als Restaurantchef. In dieser Zeit hat mein dortiger Vorgesetzter allerdings immer wieder versucht, mir meinen Willen zu brechen. Ein Problem war auch, dass sich mein Alkoholkonsum dadurch verschlimmerte, dass ich häufig mit den Leuten mittrinken musste, denn das bedeutete Umsatz. Zum Beispiel gingen durchaus schon mal 72 Flaschen Champagner in einer Woche weg.

 

 

Malteser Presse: Hatten Sie gerade zu dieser, für Sie eher schweren Zeit niemals Heimweh und wollten zurück nach Deutschland?

Ludwig Schmidt: Der Restaurantinhaber, von dem ich zwar viel gelernt habe, hat mir manchmal einfach den Pass versteckt, so konnte ich gar nicht ausreisen.

Malteser Presse: Was war Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

Ludwig Schmidt: Meiner Meinung nach bin ich in gewisser Weise zu groß geworden. Wenn der Bürgermeister zuerst Dir Guten Tag sagt und nicht dem Chef, kommt das nicht gut an. Ich hatte es geschafft, angesehener zu sein als einige Leute, und möglicherweise auch zu viel von manchen gewusst. Außerdem kannte ich auch zu viele Mädchen.

Malteser Presse: Was hatte dies zur Folge?

Ludwig Schmidt: Irgendwann landete ich auf der Straße. Ungefähr drei Jahre war ich dort, weil mein Pass abgelaufen war und ich kein Geld hatte. Im Prinzip habe ich mich zu der Zeit illegal in Marokko aufgehalten, aber die Polizei kannte mich ja und hat mir keine Probleme gemacht.

Dennoch habe ich zu der Zeit das Leben kennengelernt. Es ist wesentlich härter in Marokko auf der Straße zu leben, als hier. In Deutschland bekommt man etwas zu essen. Dort gibt es nichts. Da muss man kämpfen, um zu überleben.

 

 

Malteser Presse: Wie macht man das?

Ludwig Schmidt: Touristen betüdeln, damit man von ihnen Geld bekommt. Einige deutsche Touristen haben mir geholfen.

Malteser Presse: Wie verschlug es Sie anschließend nach England?

Ludwig Schmidt: Der englische Konsul und eine Sicherheitsfirma aus England stellten mir in Aussicht, einen Pass, ein Flugticket und eine Wohnung zu besorgen. Dieses Angebot nahm ich an. So habe ich schnell meine Papiere bekommen und konnte eine noch ausstehende Strafe bei Gericht bezahlen.

Der Konsul hat mich dann innerhalb von zwei Stunden dort hinausgebracht. Keiner wusste, dass ich an diesem Tag schon am Flughafen war und das Land verlassen würde. An für sich hätten mich nämlich einige gerne im Land behalten.

 

 

Malteser Presse: Wesentlich einfacher haben sich die Dinge in Ihrem Leben trotz des Neuanfangs in England dann jedoch auch nicht entwickelt. Woran lag dies?

Ludwig Schmidt: Ich wurde dort ausgenutzt. 300 Stunden im Monat habe ich gearbeitet und wurde nicht korrekt bezahlt.

Malteser Presse: Was taten Sie dort?

Ludwig Schmidt: Ich habe auch dort im Bereich Sicherheitsdienst gearbeitet. Wir haben Schlösser und Cottages für Prince Charles bewacht. Z.B. auch in Oxford. Nach drei Jahren habe ich dann allerdings gesagt, dass ich nach Hause möchte. Ich wollte meine Ruhe haben und bin dann ins Obdachlosenheim gegangen.

Malteser Presse: Warum ins Obdachlosenheim?

Ludwig Schmidt: Da ich vor meinem Aufbruch alles in Deutschland aufgegeben hatte, zumal ich nicht wusste, ob ich je zurückkehren würde, musste ich bei meiner Rückkehr in ein Wohnheim für Obdachlose. Schon von England aus hatte ich im Vorfeld versucht, mir telefonisch etwas zu organisieren.

Eine Mitarbeiterin des Sozialamts riet mir dazu, einfach erst mal herzukommen. Das tat ich und war dann eben da. In der Harkortstraße fand ich in einer Notschlafstelle der Diakonie Unterschlupf.

 

 

Malteser Presse: In England hatten Sie aber einen Job und sind bezahlt worden. Warum waren Sie insoweit mittellos?

Ludwig Schmidt: Ja, ich wurde bezahlt, aber das Geld, was ich verdient hatte, habe ich wieder ausgegeben. Wenn es kommt, gibt man es wieder aus. Das Leben war eben schön. (lacht)

Malteser Presse: Wie haben Sie vom Wohlfühlmorgen erfahren?

Ludwig Schmidt: Die Menschen aus dem Wohnheim erzählten mir davon. Ich hatte zwar schon davon gehört, dass in Düsseldorf viel für Wohnungslose unternommen wird, aber Konkretes wusste ich nicht.

Malteser Presse: Was macht für Sie den Wohlfühlmorgen aus?

Ludwig Schmidt: Wenn man obdachlos ist, hat man natürlich an verschiedenen Stellen Ansprechpartner, mit denen man reden kann. Für mich war das eben der Wohlfühlmorgen, insbesondere Silvia vom WFM-Team. Sie kenne ich nun seit den sieben Jahren, in denen ich herkomme. Es ist wie Familie.

Die Leute vom Wohlfühlmorgen gehörten zu denen, die als erstes von meiner Therapie erfahren haben. Beim WFM ist die Gemeinschaft wunderbar. Man trifft sich hier, oft kommen die gleichen Leute. Auch gibt es hier einfach tolle Angebote.

 

Malteser Presse: Wie ist in Ihnen den Entschluss gereift, der Alkoholabhängigkeit endgültig den Kampf anzusagen?

Ludwig Schmidt: Obwohl das Trinken betäubt und nichts mehr von dem Kram merken lässt, der einen bedrückt, war es mein eigener Wunsch aufzuhören. Ich hatte ja auch Schmerzen und Krämpfe. Oft bin ich mit Schweißausbrüchen und Herzrhythmusstörungen im Bett liegengeblieben.

Malteser Presse: Was haben Sie dann unternommen?

Ludwig Schmidt: Ich habe die Nase voll gehabt und bin zur Diakonie-Suchtberatung gegangen. Die haben mich aufgeweckt und mir eine Langzeit-Therapie angeboten. Das habe ich gemacht.

Malteser Presse: Was ist das Schwierigste?

Ludwig Schmidt: Wenn man trinkt, ist man da halt drin, alle saufen und dann trinken Sie automatisch irgendwann mit.

 

 

Malteser Presse: Was hat sich dann verändert?

Ludwig Schmidt: Jetzt bin ich, nicht zuletzt durch meine eigene Willenskraft, so stark im Kopf gemacht worden, dass es mich mittlerweile nicht mehr stört, wenn die anderen vor mir trinken. Manchmal hat man zwar den Gedanken, etwas trinken zu wollen, doch den muss man verdrängen.

Malteser Presse: Wie gelingt das?

Ludwig Schmidt: Entweder durch Punktkonzentration oder ich rede mir ein, ich habe gerade Suchtdruck. Ich will nicht wieder so sein wie früher und wie andere wieder auf der Straße landen.

Malteser Presse: Inwieweit hat Sie das WFM-Team unterstützt?

Ludwig Schmidt: Es ist wichtig, Anlaufpunkte zu haben, so wie hier bei den Maltesern. Das sind Menschen, die sich dann freuen, wenn Sie einen Alkoholentzug durchziehen und auch besser aussehen. Das ist wirklich so, es gibt einem Antrieb. Man bekommt das Gefühl, dass man eben nicht als Außenseiter dasteht.

Die geben mir hier beim Wohlfühlmorgen den Mut, dass ich weitermache. Es ist so schön, wenn es Menschen gibt, die sich freuen, wenn man eine solche Therapie durchzieht. Der Wohlfühlmorgen bedeutet für mich Geborgenheit und ist einer meiner Sicherheitspunkte.

 

Malteser Presse: Empathie haben Sie in Ihrem Leben nicht als selbstverständlich erlebt?

Ludwig Schmidt: Nein. Ganz anders ist es, wenn man auf der Straße steht und alkohol- oder drogensüchtig ist: Die Leute gehen vorbei, gucken entsetzt, aber die meisten helfen im Endeffekt nicht.

Malteser Presse: Obwohl Sie Ihr Leben seit einiger Zeit wieder in geregelte Bahnen lenken konnten, kommen Sie nach wie vor gerne zum Wohlfühlmorgen. Aus welchem Grund?

Ludwig Schmidt: Ich komme zu jedem WFM. Man trifft hier immer wieder die Menschen, die man sonst nicht trifft. Insbesondere komme ich auch wegen des Personals des Wohlfühlmorgens. Wir freuen uns, wenn wir uns wiedersehen. Für mich ist es ein wenig Zuhause.

 

 

Malteser Presse: Was zeichnet den WFM gegenüber anderen Angeboten für Obdachlose aus?

Ludwig Schmidt: Als Obdachloser bekommt man T-Shirts und alles, was man braucht, Fußpflege, wenn es benötigt wird. Es sind einfach tolle Angebote hier. Viele Leute sind zu schüchtern, selbstständig zu bestimmten Stellen hin zu gehen. Hier gehen sie hin, trauen sich.

Wenn man auf der Straße lebt und 20 Jahre lang regelmäßig 20 bis 30 Kilometer hin und her läuft, dann verwachsen halt die Zehennägel, das ist normal. Dann geht man hierher und man bekommt die Pflege.

Malteser Presse: Wie würden Sie die Gäste des Wohlfühlmorgens beschreiben?

Ludwig Schmidt: Wir sind eine eigene Familie auf der Straße und wir helfen uns auch gegenseitig. Man hält zusammen, weil man im selben Kreislauf ist. Für die Jungs von der Straße bin ich mittlerweile sowas wie der große Bruder. Wenn die Probleme haben, kommen sie zu mir und ich gehe dann mit ihnen zu den entsprechenden Stellen, weil ich mich ausdrücken kann.

 

 

Malteser Presse: Hat sich Ihr Umgang mit Menschen von der Straße verändert?

Ludwig Schmidt: Ich habe eine harte Schule durchlaufen. In Marokko ist es eine krasse Sache, auf der Straße zu leben. Da habe ich erst mal das richtige Leben kennengelernt. Du hast nichts zu essen, aber noch ein bisschen Geld in der Tasche. Dann gibst du es demjenigen, der es nötiger braucht.

Man hält zusammen, weil man im selben Boot sitzt. Wenn ich zum Beispiel heute jemanden sehe, der Alkohol braucht, dann gebe ich ihm einen Euro, damit er sich etwas kaufen kann. Ich tue es, damit sein Organismus wieder richtig arbeitet und damit er keine Schmerzen mehr hat.

 

Malteser Presse: Würden Sie sagen, dass man sein Leben immer ändern kann?

Ludwig Schmidt: Man kann da herauskommen, ich habe es ja auch geschafft. Der erste Schritt ist schwer, aber, wenn Sie dann erst mal da angelangt sind, sage ich immer, dann kriegt man eine ganz neue Chance, sein Leben zu regeln.

Malteser Presse: Wie sieht Ihr Alltag heute aus?

Ludwig Schmidt: Ich habe mein Zimmer in einer Wohnung und seit einigen Monaten habe ich einen Zwei-Euro-Job und bin als Betreuer in einem Jugendzentrum angestellt. Dort wird sich um die jungen Menschen, die bis zu 21-Jahre alt sind, gekümmert.

 

 

Malteser Presse: Wie erleben Sie die neue Tätigkeit?

Ludwig Schmidt: Man sieht da Dinge, die man selbst auch in der Jugend durchgemacht hat. Zum Beispiel, dass die Eltern im Bett liegen bleiben und die Kinder nichts zu essen kriegen. Es fängt in der Kindheit an, so ist das wirklich. Ich kenne dies aus eigener Erfahrung: Wenn meine Mutter betrunken war, als ich ein Kind war, habe ich Essen gekocht, sogar auch für meinen Vater.

Im Jugendzentrum kochen wir daher ebenfalls für die Jugendlichen, auch, wenn wir das gar nicht müssten. Allerdings fragen sie immer: „Was gibt es zu essen?“ Und wenn man dann von ihnen wissen möchte, warum sie sich nichts mitbringen, dann kommen schon mal solche Antworten wie, “Meine Mutter macht das nicht“.

Es kommt vor, dass die Mutter bis fünf Uhr im Bett liegt, das Kind einkaufen schickt und dann noch schimpft, wenn es nicht einkaufen war. Also, was wollen Sie machen, wenn hungrige Kinder vor ihnen stehen. Wir kochen etwas. Manchmal Fischstäbchen. Als ich jung war, gab es solche Einrichtungen leider nicht, auch keine soziale Betreuung. Man achtet da auf Höflichkeit und auf das ganze Umfeld.

 

 

Malteser Presse: Ist es Ihnen leichtgefallen, nun wieder einen anderen Tagesrhythmus zu haben?

Ludwig Schmidt: Man muss sich natürlich daran gewöhnen, wenn man jahrelang nichts gemacht hat. Man merkt das: Es ist hart, morgens aufzustehen mit müden Beinen. So müde war ich nicht, als ich noch getrunken habe. Ganz habe ich mich noch nicht dran gewöhnt, aber es ist der erste Schritt. Der nächste Schritt wird sein, eine eigene Wohnung zu bekommen und sich ein ganz neues Umfeld aufzubauen.

Malteser Presse: Würden Sie von sich sagen, dass Sie ein starker Mensch sind?

Ludwig Schmidt: Ich bin sehr stark, sonst hätte ich das nicht geschafft.

 

 

Malteser Presse: Sehen Sie die Welt jetzt mit anderen Augen als vor einigen Jahrzehnten?

Ludwig Schmidt: Ja, sicher. Wenn Sie betrunken sind, erleben Sie die Welt auch, aber nicht so, als wenn Sie nüchtern sind. Wenn ich heute einen Schützenumzug in der Altstadt sehe, den ich schon seit sechs Jahren immer wieder gesehen habe, aber nur mit verglasten Augen, dann stehe ich jetzt da und erfahre das mit ganz anderen Augen. Auch, wenn ich am Rhein umher spaziere und Drachen erblicke, dann erlebe ich die Farben jetzt ganz anders.

Malteser Presse: Können wir beim nächsten Malteser-Wohlfühlmorgen wieder mit Ihnen rechnen?

Ludwig Schmidt: Ja, natürlich, denn die Menschen hier geben mir den Mut, dass ich weitermache und die Termine habe ich ohnehin alle im Kopf. Manchmal verschicke ich sie zur Erinnerung sogar per Mail an andere.

Malteser Presse: Lieber Herr Schmidt, vielen Dank für dieses ausführliche Interview und alles erdenklich Gute für Ihre Zukunft.

 

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