Navigation
Malteser Düsseldorf

Anne Fiedler (40) leitet integratives Malprojekt der Malteser

„Wenn die Menschen traumatisiert sind, merkt man es ihnen an“

08.11.2017
Anne Fiedler arbeitet gerne mit den Kursteilnehmern

“Jenseits von Sprache, aber nicht ohne Farben“, so lautet der Titel des Malprogramms, das die Malteser Düsseldorf im Rahmen des Integrationslotsenprojekts seit dem Frühjahr 2017 im Derendorfer Welcome Point 01 anbieten.

Einsteigern und Fortgeschrittenen wird hier ermöglicht, Acryl-Malerei an der Staffelei zu erlernen oder zu perfektionieren. Das Besondere: Das Projekt richtet sich an Flüchtlinge und Einheimische, die Spaß an bildender Kunst haben. Hintergrund ist die Idee, dass man neben der Vermittlung von Kunst-Kniffen ebenso versucht, geflüchteten Menschen die deutsche Sprache auch jenseits der Schulbank näher zu bringen. Motto: Kunst machen und Deutsch sprechen.

Dass dieser Gedanke aufzugehen scheint, kann sie bestätigen: Anne Fiedler (40) aus Willich. Seit März leitet die Künstlerin den Mal-Kurs des Integrationslotsenprojekts der Malteser. Die zweifache Mutter, die sich nach einem Kunst-Lehramtsstudium in Paderborn dazu entschlossen hat, als freiberufliche Künstlerin tätig zu sein, hat miterlebt, dass es bei so manchem Flüchtling auch mit dem Spracherwerb vorangeht. „Einige Kursteilnehmer, die sehr schlecht Deutsch sprachen, haben gemerkt, dass man ohne die Sprache ganz schlecht weiterkommt. Irgendwann ist dann der Wille da und sie sagen sich, jetzt lerne ich“, berichtet die Dozentin.

Rund 50 Flüchtlinge kommen derzeit zu den insgesamt vier Mitmach-Kunstprojekten der Malteser in Düsseldorf. Neben der Malerei wird auch noch Musik mit verschiedenen Hobbymusikern offeriert, sowie Schauspielerei und schöpferische Arbeit mit Ton.

Auf die Frage, wie man ein Kunstprojekt mit zum Teil traumatisierten Menschen angeht, antwortet Fiedler: „Indem ich am Anfang schlichtweg nur Stillleben anfertigen lassen habe. Das ist erst mal unpersönlich, die Leute können sich kennenlernen und man hat nicht das Gefühl, dass man jemandem zu nahetritt.“

Anfängliche Kommunikationsprobleme bei Jenen, die noch gar kein Deutsch sprachen, ließen sich leicht durch malerisches Demonstrieren überwinden. Dass sich unter den zum Teil recht jungen Kursteilnehmern auch solche befinden, die in ihrem Leben bereits Schreckliches erlebt haben, ist der Dozentin klar. So steht sie auf Wunsch der Betroffenen dann auch zum Zuhören bereit. „Wir können darüber sprechen oder können es lassen“, sagt die 40-Jährige. „Es ist ja nicht nur so, dass wir darüber reden, sondern man bemerkt auch Traumatisierung", fügt sie hinzu.

 

Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen konnte Fiedler bereits seit knapp zwei Jahren sammeln: In Willich arbeitet sie nämlich seither in einem Gemeinschaftsatelier mit geflüchteten Künstlern. Darunter befinden sich sowohl professionelle Maler als auch Hobby-Künstler von Ende Zwanzig bis Mitte Fünfzig. „Die Flüchtlingsthematik war mir insoweit nicht neu. Neu war allerdings beim Malteser-Integrationslotsenprojekt für mich, mit so jungen Menschen zu arbeiten“, erzählt Anne Fiedler.

Abgesehen von einer 40-jährigen geflüchteten Mutter, die mit ihrem 14-jährigen Sohn zum „Jenseits von Sprache, aber nicht ohne Farben“-Projekt kommt, richtet sich der Malerei-Kurs an Menschen zwischen 18 und 25 Jahren und wird in erster Linie auch von dieser Klientel besucht.

Dass die Teilnehmer großen Spaß beim künstlerischen Schaffen haben und dort auch Ruhe und Muße finden, beweist gerade der 22-jährige Navid aus Afghanistan. Auch an den Tagen, an denen gar kein Kurs stattfindet, kommt er in den Welcome Point, um weiter an seinen Bildern zu arbeiten. Selbst um sich weitere Inspirationen zu holen, reiste der junge Mann schon im September eigens zu einer Gemeinschaftsausstellung seiner Dozentin, Anne Fiedler, die diese in Krefeld hatte. Im dortigen Südbahnhof war der Afghane derart von einem Exponat begeistert, dass er sich auf die Fahne schrieb, das Bild eigenständig nachzuempfinden. Mittlerweile hat das fertige Gemälde bereits einen Ehrenplatz im Welcome Point gefunden.

Zu Beginn des Kurses hatte Fiedler sich zunächst ein Bild vom künstlerischen Stand der Teilnehmer gemacht und war nach dem Stillleben das große Thema “Reise“ angegangen. Hierbei wird sowohl mit Acryl, als auch mit Ölkreiden, Kohle- und Filzstiften sowie Zeitungspapier für ausgefeilte Collagen gearbeitet.

Die Teilnehmer des Kurses, aus Afghanistan, Aserbaidschan, China, Guinea und Deutschland, haben im Zuge der vorgegebenen Thematik auch bereits außergewöhnliche Exponate hergestellt. Mit dem Thema Reise sind oftmals gerade geflüchtete Menschen in besonderer Weise vertraut. So kommt es auch vor, dass Autobiografisches in den Bildern verarbeitet wird.

Zum Jahresende ist am 09.12.2017 eine Abschlussveranstaltung im Welcome Point geplant, die in Kooperation mit den übrigen drei Mitmach-Kunst-Projekten umgesetzt wird. Dabei werden die Ergebnisse der künstlerischen Arbeit des Jahres vorgestellt und können dann von einem Publikum bewundert werden.

Interessenten können sich ganz leicht über das jeweils dienstags von 17.00- 19.30 Uhr stattfindende Malerei-Projekt beim Projektkoordinator informieren und anmelden, unter:

Juergen.Claessens@malteser.org

 

Weitere Informationen

Termine Erste Hilfe 2018

Wohlfühlmorgen

Die nächsten Termine

Jahr 2018

22.09.2018

01.12.2018

Unser Spendenkonto: Malteser Hilfsdienst e.V.  |  Pax-Bank  |  IBAN: DE52370601930101111016  |  BIC / S.W.I.F.T: GENODED1PAX