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Malteser Düsseldorf

DIESER MANN IST LEBENDIGE MALTESER-GESCHICHTE

Johannes Saurbier – seit 60 Jahren im Dienste der Hilfsorganisation

23.12.2017

Kaum ein Malteser im Düsseldorfer Umfeld, der seinen Namen nicht kennt. Wenn es um Besorgungen, Transporte, das Bereitstellen von Mahlzeiten für große Gruppen, die Abwicklung der Grabtuchausstellung, die Versorgung der Ehrenamtsfahrzeuge oder Sanitätsdienste geht, ist er stets zur Stelle: Die Rede ist von Johannes Saurbier. Gerade wurde er neben Kollegen Engelbert Tubes geehrt. Beide Malteser setzen sich nämlich seit unglaublichen 60 Jahren kontinuierlich ehrenamtlich für den Malteser Hilfsdienst e.V. in Düsseldorf ein.

 

Als er im Jahre 1955 seinen ersten Erste-Hilfe-Kurs belegte, ahnte Johannes Saurbier noch nicht, wie eng sein persönlicher Lebensweg einmal mit den Maltesern verknüpft sein würde. Schon ein Jahr später trat er der Organisation bei. Die Mutter, die sich seit dem Tod des Vaters im Jahre 1948 allein um den Nachwuchs kümmerte, hatte nichts gegen das Engagement ihres 1939 geborenen Filius einzuwenden. Und so kam es auch, dass der tatkräftige Johannes im jugendlichen Alter von 17 Jahren hellauf begeistert fest zur Hilfsorganisation stieß. „Ich wollte schon immer gerne etwas auf dem sozialen Gebiet machen“ erzählt der heute 78-Jährige.

Zu den damaligen Aufgaben des Johannes Saurbier gehörte es, neben verwaltungstechnischen Belangen, beispielsweise auch dafür Sorge zu tragen, dass der einzige Ausbildungskoffer, den man damals in Düsseldorf besaß, immer rechtzeitig bei den jeweiligen Kursen war.

 

„Das bedeutete, dass ich drei Mal in der Woche zu unterschiedlichen Orten gefahren bin und den Koffer dahin gebracht habe, damit die Ausbilder entsprechendes Material zur Verfügung hatten“, erinnert sich der sympathische Malteser schmunzelnd. Konsequenterweise antwortet er sodann auch auf die Frage, was sich bei den heutigen Ehrenamtlern im Vergleich zu früher verändert habe: „Wenn wir damals das Material gehabt hätten, was wir heute haben, dann wären wir unwahrscheinlich glücklich gewesen“.

Ein wenig Innovation vermochte der spätere Schirrmeister dann jedoch trotzdem in „den Laden“ zu bringen. So schaffte er sich nämlich irgendwann eigens ein Moped an, um Material von A nach B zu transportieren, was alles ein wenig einfacher machte. Schließlich hatte zuvor schlichtweg ein Fahrrad samt Anhänger seine Mobilität gewährleisten müssen.

Saurbier, der gelernte Schreinermeister und vierfache Vater, denkt noch manches Mal an die persönlichen Anfänge bei den Maltesern zurück und dabei fällt ihm ein, dass neben Engelbert Tubes auch noch Horst Tophofen aus jener Zeit stammt, in der auch er begonnen hatte, sich ehrenamtlich zu engagieren. Was nicht selbstverständlich ist: Alle drei Malteser setzen sich auch noch heute, sechs Jahrzehnte später, für die Belange des Vereins ein.

 

Für Johannes Saurbier lag die Motivation für sein langjähriges Engagement von jeher im christlichen Auftrag. „Den Geist der Malteser sehe ich im religiösen Ansatz ihres Handelns. Deswegen fahre ich auch nach wie vor noch immer zwei Mal im Jahr nach Međjugorje und betreue dort Sanitätsdienste“, erzählt er stolz.

In jener im Südwesten von Bosnien und Herzegowina liegenden, 1600 km entfernten Ortsgemeinschaft war schon vor über 20 Jahren ein Malteser-Projekt zustande gekommen, dass sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Als Mitglieder der obersten Malteserführung einst vor Ort gewesen und von einer lokalen Pfarrei gefragt worden waren, ob nicht der Sanitäts- und Rettungsdienst von den Maltesern aus Deutschland koordiniert und umgesetzt werden könne, startete man kurzerhand mit entsprechenden Einsätzen in jenem ganz besonderen Ort des Gebets: „Da wird zunächst einmal der Krankentransport gemacht, denn es gibt dort zwei Berge, den Erscheinungsberg und den Kreuzberg“, berichtet Saurbier. „Es passieren sehr viele Unfälle“, fährt er fort, „denn die Leute fallen leicht hin, da unwahrscheinliche Höhenunterschiede das Laufen erschweren.“

Früher seien die notwendigen Einsätze, die üblicherweise vom Palmsonntag bis zum ersten November andauerten und von Gliederungen aus ganz Deutschland besetzt würden, regelmäßig von Köln aus koordiniert worden. Jetzt werde alles von Trier aus gesteuert, erklärt Johannes Saurbier, der die Dienste vor Ort von 09.00 Uhr morgens bis 21.00 Uhr am Abend in der Ambulanz nach wie vor gut durchhält. „Unter Umständen kann das recht anstrengend sein“, erläutert er und begründet so auch, dass er seit zwei Jahren zumindest nicht mehr auf den Berg hinaufsteige, um Patienten abzuholen. Stattdessen fahre er im Bedarfsfall mit dem Krankenwagen bis nach unten und warte dort bis der Patient hinuntergebracht werde. „Unter Umständen kommt dann die Bergrettung, die sich zuerst um den Patienten kümmert“, weiß der 78-Jährige.

Jedes Mal, wenn Međjugorje ansteht, scheut Saubier auch nicht davor zurück, die 1600 km eigenständig mit dem Wagen zurückzulegen, um im Dienste der Malteser vor Ort Hilfe zu leisten.

Das Abenteuer und die Herausforderung lockten Johannes Saurbier augenscheinlich seit jeher. So zählte zu seinen eindrucksvollsten Einsätzen im Auftrag der Malteser doch die Zeit in Vietnam.

„Hauptsächlich bin ich dort hinuntergegangen, da ich eine Lehrwerkstatt für Schreiner aufbauen wollte“, erinnert sich der stets hilfsbereite Malteser zurück.

Von 1966 bis 1967 verbrachte der damals 27-Jährige- gerade frisch verheiratet- ganze acht Monate im Kriegsgebiet. Mit einem Meisterbrief als Schreiner frisch in der Tasche und der jungen Ehefrau an seiner Seite hatte Saurbier nämlich nur eines im Kopf: „Wir hatten vor, in die Entwicklungshilfe zu gehen. Insofern hatte ich mich schon vorher über Kolping erkundigt, welche Möglichkeiten es gibt. Die machten nämlich deutsche Entwicklungshilfe-Kurse. Aber dann kam das quasi mit den Maltesern dazwischen und war eigentlich genau das Richtige“, beschreibt er.

Angst davor, in so jungen Jahren freiwillig in ein Kriegsgebiet zu ziehen, habe er dabei verhältnismäßig wenig verspürt, schildert Saurbier. Zwar sei die Luft durchaus recht „bleihaltig“ gewesen, jedoch müsse man „auf den Herrgott da oben vertrauen, dass das gutgeht. Der hat uns gut beschützt“, sagt der 78-Jährige.

Nachdem seinerzeit die amerikanische Anfrage, ob Deutschland sich militärisch am Vietnamkrieg beteiligen würde, abgelehnt worden war, hätte man sich auf humanitäre Hilfestellung geeinigt, erzählt Johannes Saurbier. Daraufhin sei zuerst die “Helgoland“, das Lazarett Schiff des Roten Kreuz, ausgerückt und dann seien eben auch die Malteser von der Bundesregierung angefragt worden, ob die Organisation im Landesinneren tätig werden könne, weiß Saurbier noch genau.

„Dort hatten wir dann einzelne Teams und waren in den Dörfern ringsherum im Einsatz. Unser Hauptpunkt war damals „Hô An“ (40 km von Đà Nãng Anm. d. Red.) heutzutage ist das auch Weltkulturerbe. Das wussten wir damals natürlich noch nicht“, sagt er lächelnd.

 

„Auch in An Hoa, was nur über die Luft zu erreichen war, hatten wir zu tun“, ergänzt Johannes Saurbier. Mit seinem Handwerker-Team stand der Malteser nämlich vor einer großen Aufgabe: In Huĕ galt es, ein Leposarium für Lepra-Kranke zu renovieren. „Man kann nicht sagen, dass die Menschen zuvor dort wohnten, vielmehr haben sie dort gehaust“, erschaudert Saurbier noch heute.

„Soweit wir die Möglichkeiten hatten, haben wir dort alles renoviert. So wurde beispielsweise eine Überdachung vorgebaut. In den Bergen vor Ort gab es ein Benediktinerkloster, dem ein Sägewerk angegliedert war. Da haben wir uns dann die Balken bestellt und zuschneiden lassen“, schildert der Schirrmeister en Detail.

 

Nachdem die meisten vietnamesischen Männer eingezogen worden waren, hatte Saurbier seinerzeit in erster Linie Jugendliche zum Schreiner ausgebildet. „Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit den 13 bis 14-jährigen Jungen zu arbeiten, denn sie waren handwerklich sehr fit.“

Dennoch hatte das junge Ehepaar Saurbier in Vietnam auch Schreckliches zu verkraften. Bei einem der zahlreichen Angriffe mussten sie nämlich Grausames mit ansehen.

 

„Eines morgens mussten wir ganz plötzlich sehr früh raus, denn es hatte einen Überfall auf die Zivilbevölkerung gegeben“, erzählt der Malteser. „Wir leisteten Erste Hilfe bei den Menschen und fuhren sie dann zu den Krankenhäusern. Richtige Krankenwagen hatten wir jedoch nicht, sondern nur einen Jeep. Darauf haben wir die Patienten mit der Trage quergelegt und sind dann mit ihnen zum Krankenhaus gefahren“, erinnert sich Saurbier noch immer bewegt.

Sechs Patienten vermochte der Düsseldorfer zum Krankenhaus zu bringen und zu deren Lebensrettung beizutragen. „Alle anderen waren leider bereits tot. Das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe“, sagt Johannes Saurbier. „Krieg ist einfach etwas ganz Schlimmes“, fügt er hinzu.

Nach acht Monaten ging es für das Ehepaar Saurbier jedoch dann zurück nach Deutschland. Nach den Kriegswirren im Ausland und der wichtigen humanitären Hilfe, bei welcher sie ihren Beitrag geleistet hatten, hatte sich nämlich etwas höchst Erfreuliches angekündigt: Der älteste Sohn der Saurbiers, Thomas, war unterwegs und so sah die junge Familie, zurück in Düsseldorf, einem völlig neuen Abenteuer entgegen: Der Elternschaft.

In der Heimat erwartete Johannes Saurbier nach der bewegenden Zeit in Vietnam erst einmal eine Umstellung: „Ich habe dann zunächst wieder als Schreiner gearbeitet, habe mich dann aber selbstständig gemacht“, schildert er.

Auch die Familie vergrößerte sich: Nach Thomas kamen noch die Kinder Ulrich, Barbara und Lioba. Doch trotz zeitaufwendigen Berufs und Familie engagierte sich der Ehemann und Vater auch weiterhin fleißig für die Malteser.

 

Ob Fußwallfahrten in Polen zur Schwarzen Mutter Gottes, nach Rom oder Sternenwallfahrten, bei denen innerhalb einer Woche täglich bis zu 25 km zu Fuß zurückgelegt werden mussten, Johannes Saurbier begleitete sie und brachte sich regelmäßig helfend mit ein.

Auch die berühmte Grabtuchausstellung mit den Maltesern betreut der 78-Jährige seit mittlerweile vier Jahren. Mittelpunkt hierbei ist eine Kopie des Turiner Grabtuchs, welches in Zeiträumen von jeweils sechs Wochen von Ausstellungsort zu Ausstellungsort und viele Menschen in ihren Bann zieht. Abwicklung von Transport und Aufbau liegt dabei in Saurbiers Händen. Schon ab Januar geht es erneut an sechs verschiedene Punkte in Deutschland.

Was die Vorbilder innerhalb des Malteser Hilfsdienstes anbelangt, so hatte sich eine Persönlichkeit ganz besonders in das Herz von Johannes Saurbier gespielt: Georg von Truszczynski. „Im Bereich unserer Führungskräfte war er großartig. Auch war er unser erster Generalsekretär. Er konnte schon Leute begeistern. Leider starb er früh, mit noch nicht einmal 60 Jahren. Aber so eine große Beerdigung habe ich zum ersten Mal dort erlebt und danach nie wieder. Das Requiem ist an einem Sonntag im Kölner Dom gewesen. Der war brechend voll. Von da aus ging es mit einer Polizei-Eskorte zum Melaten-Friedhof“, erinnert sich Saurbier noch immer beeindruckt.

Privat hat der Rentner neben seiner Familie auch immer viel mit seinem Garten zu tun. Außerdem liest er gerne, zuletzt einen Krimi.

Bei all seinem Engagement zählt für Johannes Saurbier, der in Kilometern gerechnet gewiss schon einmal die ganze Welt im Dienste der Malteser umfahren hat, vor allem eine Sache: Die Unterstützung seiner Familie. „Meine Familie, die macht ja alles mit, und es ist wichtig, dass sie dahintersteht. Bei mir sind ja sogar die Enkel mit dabei“, freut sich der Durch-und-Durch-Malteser.

 

Daher wohl kaum verwunderlich, dass auch der Saurbier-Nachwuchs beinahe vollständig längst aktiv beim Hilfsdienst in Düsseldorf ist.

Auf die Frage, wie lange der Ehrenamtler den Maltesern nach sechs Jahrzehnten noch treu bleiben wird, antwortet der beliebte 78-Jährige strahlend: „So lange der da oben mitspielt."

 

Die Malteser jedenfalls sind froh und besonders dankbar für dieses wunderbare Engagement.

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