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Malteser Düsseldorf

„Soziales Engagement ist in unserer Familie eine Selbstverständlichkeit“

Dr. Peter Grzonka kümmert sich um die Zähne der WFM-Gäste

27.02.2018
Dr. Peter P. Grzonka nimmt sich Zeit für die Patienten des Wohlfühlmorgens
Zwischendurch bleibt auch mal Zeit für einen Kaffee zur Stärkung
In der Behandlungsecke vertrauen sich die Menschen dem Zahnarzt an
Sein Equipment bringt Dr. Grzonka jedes Mal mit zum WFM

Knapp zwei Dekaden sind eine lange Zeit. Der Wohlfühlmorgen der Malteser in Düsseldorf existiert bereits seit 17 Jahren und wurde nicht nur hier längst zur festen „Institution“. Als Hans Tophofen (66) seinerzeit die Idee zum beliebten Malteser-Event entwickelte, hatte er nur eins im Auge: Auch die benachteiligten Menschen unserer Gesellschaft sollten einmal die Möglichkeit erhalten, zumindest hin und wieder ein wenig Wellness zu erfahren. Seither können sich Wohnungslose und Arme bis zu sechs Mal im Jahr bei den Maltesern verwöhnen lassen. Heiß duschen und sich pflegen, von einer Pediküre die häufig geschundenen Füße behandeln, bei einer Friseurin das Haar waschen und schneiden lassen, gemütlich frühstücken und die Zeitung lesen oder einfach nur plaudern und sich austauschen.

Auch die Gesundheit muss beobachtet werden. Beim Wohlfühlmorgen sind regelmäßig Mediziner zugegen, welche die Gäste des WFM auf deren Wunsch untersuchen. Einer von ihnen ist Zahnarzt Dr. Peter P. Grzonka. Am Samstag trifft der Dentist um 09.30 Uhr im St. Ursula-Gymnasium, dem Kooperationspartner des Malteser-Wohlfühlmorgenteams, ein. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass erst mal gefrühstückt wird und dann hat man für Anderes Zeit“, sagt der 66-Jährige lächelnd. Seit zehn Jahren zählt der leidenschaftliche Zahnmediziner fest zum Team. Zunächst sei er an jedem der fünf bis sechs Termine im Jahr vor Ort gewesen. Nachdem sich jedoch herausgestellt hat, dass nicht jedes Mal Bedarf bestehe, habe es sich so eingespielt, dass bei jedem zweiten WFM entweder Grzonka selbst oder eine Kollegin der SDZ (Solidaritätsgemeinschaft Düsseldorfer Zahnärzte) vorbeikomme. 

Im Allgemeinen stellten akute Zahnfleischentzündungen ein Problem bei zahlreichen WFM-Gästen dar. Auch lockere Zähne, die man auf der Straße nicht pflege oder schlicht nicht pflegen könne, sehe man häufig, ebenso wie Löcher. „Aber genauso habe ich hier auch Menschen kennengelernt, die wunderbar versorgt sind. Das sind dann häufig Leute, die aufgrund von Scheidungen oder durch den Bankrott der eigenen kleinen Firma einfach nicht mehr die Möglichkeit haben, in die Pflege ihrer Zähne zu investieren“, erzählt der Zahnarzt. Es seien durchaus recht extreme Situationen, welche der Mediziner hier schon erlebt habe.

Die zahnmedizinischen Möglichkeiten während des Wohlfühlmorgens sind natürlich beschränkt. Zwar könne er vor Ort nicht behandeln, jedoch zumindest beraten, sagt Grzonka. Eine typische Frage der Patienten sei beispielsweise, „Kann ich damit noch warten oder muss ich damit nun sofort in eine Zahnarztpraxis? Dabei könne er abwägen, also entweder raten, zeitnah einen Kollegen aufzusuchen, bevor eine dicke Backe riskiert werde, oder auch mal sagen: „pflegen Sie besser!“ 

Auf die Frage, was man den Menschen, die auf der Straße leben, in puncto Pflege mit auf den Weg geben könne, antwortet der 66-Jährige: „Es werden ja gerade hier beim WFM häufig auch Zahnbürsten und Zahnpasta verteilt. Die Möglichkeiten sind also da.“ Zur Not könne man auch Sprudelwasser benutzen, fügt er hinzu. Allerdings sei das Bewusstsein, und das schließe die herkömmliche Bevölkerung durchaus mit ein, ja nicht immer so, dass Zahnpflege die oberste Präferenz besäße.

 

Fünf bis zehn Minuten dauert eine Sitzung während des Wohlfühlmorgens in der Regel. Im weißen Kittel läuft der Dentist zwar nicht herum, dennoch erkennt man den promovierten Zahnmediziner sogleich. Ein blaues T-Shirt samt deutlich sichtbarem Namensaufdruck ist sein Markenzeichen. Und so kommt es denn auch, dass Dr. Grzonka angesprochen und darauf hingewiesen wird, dass sich ein Patient für ihn eingefunden habe.

Sofort, wenn der Zahnarzt beim Wohlfühlmorgen im St. Ursula Gymnasium eintrifft, gibt er Bescheid, dass er vor Ort und einsatzbereit ist. Daher brauchte auch jetzt nur kurz nach seinem blauen Shirt Ausschau gehalten zu werden. Im Untergeschoss, dem Wellnessbereich, gleich zwischen Friseurin und Pediküre, hat er seine “Zahnarztecke“ eingerichtet. In deren Sitzbereich hat ein Herr mittleren Alters Platz genommen. „Guten Tag“ sagt dieser freundlich und stellt sich als Michael vor. „Als ich erfuhr, dass heute ein Zahnarzt da ist, habe ich direkt gefragt, ob ich mal meine Zähne zeigen darf“, konstatiert er. Zwar habe er keine Schmerzen, aber da er früher einmal ein „Plastikgebiss“ getragen habe, das immer wieder angepasst wurde und mit welchem man kaum habe kauen können und das Essen auch nicht mehr geschmeckt hätte, wolle er zumindest dafür Sorge tragen, dass die noch vorhandenen Zähne erhalten blieben.

Dr. Grzonka nimmt sich Zeit und untersucht das Gebiss des Mannes sorgfältig. „Man müsste einmal wieder den Zahnstein wegmachen, das ist ein Klacks“, empfiehlt der Doktor. Immer wieder hat der 60-Jährige Patient zwischendurch Redebedarf und erzählt völlig unvermittelt, wie gerne er arbeiten würde. „Ich soll noch drei Jahre machen. Wenn Dir jedoch drei Ärzte sagen, du darfst nicht, ist es natürlich etwas schwierig, eine Stelle zu finden“, führt er an. „Als was“, möchte der Zahnarzt von seinem Patienten erfahren. Zuletzt sei er als Lagerist Materialverwalter gewesen und habe verpackt, antwortet Michael. „Als ich mich kürzlich für eine Stellenausschreibung interessierte, las ich, dass man sich nur per E-Mail bewerben kann“, erzählt der 60-Jährige. Schon hier beginnt das Problem für den regelmäßigen Wohlfühlmorgen-Gast: Er besitzt leider keinen Computer. „Ich würde nicht den Mut sinken lassen, denn es werden einige neue Geschäfte und Firmen im Umkreis aufgebaut“, bestärkt Dr. Grzonka seinen Patienten. „Den Mut sinken zu lassen, wäre ja auch das Falsche“, stimmt Michael zu und macht den Anschein, zuversichtlich zu bleiben.

„Vorbeugen, zwischendurch immer mal kontrollieren lassen, damit nicht noch mehr Übel passiert“, rät Dr. Grzonka seinem Patienten hinsichtlich seines Gebisses. Ob nun der fachmännische Blick auf seine Zähne oder das Gespräch im Allgemeinen mit dem Zahnarzt mehr für Michael bedeuten, ist kaum zu ermitteln. Zumindest jedoch erscheint der 60-Jährige erfreut über die Zeit auf dem provisorischen Behandlungsstuhl. Bevor er den Wellnessbereich verlässt, bedankt er sich höflich und freudestrahlend.

 

„Oftmals sprudelt es aus den Menschen heraus, wenn man sie ein wenig beruhigt hat und ihnen sagt, dass man ja nur gucke“, weiß Dr. Grzonka. „Das wäre gewiss anders, säße man irgendwo am Tisch und nicht ein wenig separiert in einer ruhigen Ecke.“ Die unterschiedlichsten Menschen erlebt der Dentist auf diese Weise. Ob jung oder alt, ob mit desolatem Gebiss oder gepflegten Zähnen. 90 Prozent der Menschen seien versichert. Die zehn Prozent, die nicht versichert sind, machten die größten Probleme. Von Patientenseite sei die größte Schwierigkeit, auf Ämter zu gehen. „Sie befürchten häufig, dass sie abschätzig behandelt würden“, meint der Mediziner. „Man macht dann das Notwendigste, damit die Schmerzen weggehen.“

Es gebe durchaus auch Menschen, die sagen würden, dass die Straße ihre Heimat sei und sie auch gar nichts anderes wollen würden, erzählt Peter Grzonka. „Diese Leute kann man nicht missionieren, aber ihnen wünschen, dass sie immer einen warmen Platz finden.“

 

Den Maltesern ist der Zahnmediziner durch unterschiedlichste Bereiche eng verbunden. Aus einer katholischen Jugendorganisation kommend - er war lange BDKJ-Führer (Bundesverband der katholischen Jugend) - liegt für den Familienvater mit 40-jähriger Berufserfahrung das Helfen, wo Not am Mann ist, auf der Hand. „Soziales Engagement ist in unserer Familie eine Selbstverständlichkeit“, sagt Peter P. Grzonka, bevor er sich dem nächsten Patienten auf seinem provisorischen Zahnarztstuhl annimmt.

In jedem Fall dürfen die Gäste des Malteser-Wohlfühlmorgens wohl auch künftig auf seine kompetente zahnmedizinische Beurteilung vertrauen. 

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