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Malteser Düsseldorf

So rege verlief der Austausch zum Thema Organspende

Malteser-Talkrunde im Maxhaus mit Emotionen, Infos und Kritik

23.10.2018
Die Gäste der Malteser-Talkrunde zum Thema Organspende lieferten sich einige Wortgefechte
Der transplantierte Jurist Matthias Pieper erhielt mit 27 Jahren ein neues Herz
TV-Moderatorin Birgit Lechtermann sprach sich für mehr Transparenz aus

Düsseldorf. Die seit Jahren sinkende Zahl der Organspenden in Deutschland kostet Leben. Über 10.000 Menschen mit massiven Schädigungen eines oder verschiedener Organe warten hierzulande derzeit auf eine Transplantation. Um ihnen ein Weiterleben zu ermöglichen, braucht es die Bereitschaft anderer Menschen, im Falle des eigenen Ablebens Organe zu spenden.

Zeitgleich jedoch ist das Thema an sich bei Vielen mit Ängsten, Zweifeln, jeder Menge offener Fragen oder auch Kritik verbunden. Um jene Probleme zu lösen, steht zunächst eine Sache im Vordergrund: Die Auseinandersetzung mit der Thematik.

Gelegenheit hierzu boten die Malteser jetzt im Ramen einer Talkrunde vor Publikum im Düsseldorfer Maxhaus. Zu den geladenen Gästen zählten neben der Transplantationsbeauftragten des UKD (Universitätsklinikum Düsseldorf), Prof. Dr. med. Katrin Ivens, dem DSO-Vertreter (Deutsche Stiftung Organtransplantation) Dr. med. Lorenz Skoljarev, Medizinethik-Fernsehjournalistin Silvia Matthies und Prof. Dr. jur. Torsten Verrel (Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation bei der Bundesärztekammer) auch Stadtseelsorger Pfarrer Frank Heidkamp aus Düsseldorf, der Leiter des Malteser-Organtransports in Mainz, Matthias Baumgart, eine Vertreterin des Verbands der Ersatzkassen, Bärbel Brünger, der Herz- und Nieren-transplantierte Jurist, Mattias Pieper, Renate Greinert vom Verein KAO (kritische Aufklärung über Organtransplantation e.V. ) sowie TV-Moderatorin Biggi Lechtermann (ARD „live nach neun“ und „Leben und Gesundheit“/Health TV), Schauspielerin Nora Koppen (RTL „Unter uns“) und Wissenschaftsjournalist Jean Pütz.

 

Die Grußbotschaften von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, der auch Schirmherr der Veranstaltung war, und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließen die Gäste aufmerksam zuhören. Nachdem Stadtarzt Dr. André Schumacher (Malteser Düsseldorf) dann das erschienene Publikum offiziell willkommen geheißen hatte, eröffnete Moderatorin Michaela Boland die Talkrunde zunächst mit einigen Fragen an Schauspielerin Nora Koppen. Die Mimin verkörperte in der täglich bundesweit auf RTL ausgestrahlten Serie “Unter uns“ jüngst eine ehemalige Medizinstudentin, welche aufgrund eines verschleppten Infekts nunmehr dringend auf ein Spenderherz angewiesen war. Die Vorbereitung auf eine solche Rolle sei nicht ohne und zeitgleich für die 29-Jährige erstmals der Anlass gewesen, sich überhaupt mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen.

 

Was für Koppen nur Spiel war, stellte für Matthias Pieper Ende der Achtziger eine tatsächlich lebensbedrohliche Situation dar: Der damalige Jura-Student benötigte im Alter von nur 27 Jahren aufgrund einer Herzmuskelentzündung ein Spenderherz. Mit großem Glück erhielt Pieper ein entsprechendes Organ, ohne welches er nicht überlebt hätte. Einige Zeit später jedoch stellte sich heraus, dass wegen starker notweniger Medikamente, welche die Abstoßung des neuen Herzens verhindern sollten, eine Niere nun derart geschädigt war, dass ebenfalls eine neue für ihn benötigt wurde. Im Rahmen einer Lebendspende erhielt Matthias Pieper sodann ein passendes Organ von seinem damals bereits 79-jährigen Vater. Die Dankbarkeit für das “neue Leben“ war Pieper deutlich anzumerken.

 

Der Thematik “Organspende“ nicht mehr allzu offen gegengenüber zeigte sich im Gegensatz dazu Renate Greinert aus Wolfsburg. Die Mutter, die vor über dreißig Jahren ihren damals 15-jährigen Sohn nach einem Unfall zur Organspende freigab, fühlt sich getäuscht. Nach dem Unglück hätten Ärzte damals nicht nur viel zu schnell Druck ausgeübt, um die Freigabe zur Spende zu erhalten, auch habe sie sich keinesfalls zureichend über die genauen Vorgänge bei dem Procedere der Entnahme aufgeklärt gefühlt. Ihr Kind unmittelbar vor der Bestattung, unabgesprochener Weise, ohne Augen und in anschließend angeforderten Krankenhausakten drei unterschiedliche Angaben des Todeszeitpunktes vorzufinden, sei für Greinert ein Schock gewesen. Während DSO-Vertreter Dr. Lorenz Skoljarev als ärztlicher Koordinator im Bereich der Organtransplantation gut verständlich erläutern konnte, wie sich Abläufe konkret vollziehen, schilderte Matthias Baumgart als Leiter des Organtransports der Malteser Mainz, wie man sich den Transfer der Leben-rettenden Organe vorzustellen hat. Trotz jahrelanger Routine würde beispielsweise der Transport eines Kinderherzens das Team nach wie vor emotional sehr berühren. Die sich aus der Organspende ergebende Perspektive für Empfänger sei für ihn jedoch das Entscheidende.

 

Die Transplantationsbeauftragte des Uniklinikums Düsseldorf, Prof. Dr. Katrin Ivens erläuterte, ab welchem Zeitpunkt bei einer infrage kommenden Organspende sie hinzugezogen werde und welche einzelnen Schritte sodann vorzunehmen seien. ARD-Moderatorin Birgit Lechtermann wünschte sich insgesamt mehr Transparenz, insbesondere als Medizinethik- Journalistin Silvia Matthies das Thema der nicht unumstrittenen Hirntoddiagnostik unter anderem am Beispielfall der amerikanischen Jahi McMaths zur Sprache brachte. Pfarrer Frank Heidkamp erläuterte seine bejahende Einstellung zum Thema Organspende auf den Punkt und ließ nicht unerwähnt, dass sich die Deutsche Bischofskonferenz, welche der Organspende ausdrücklich positiv gegenübersteht, hinsichtlich des jüngsten Gesetzesvorstoßes von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn betreffend einer Widerspruchsregelung ablehnend geäußert habe.

 

Prof. Dr. jur. Torsten Verrel (Mitglied der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer) betonte währenddessen immer wieder die Bedeutsamkeit der Transparenz im Rahmen des Organspendensystems. Hatten doch in der Vergangenheit Skandale um Manipulationen auf Wartelisten das Vertrauen ins System geschwächt. Intensivere Kontrollen der Krankenhäuser durch Schaffung entsprechender rechtlicher Grundlagen seien seither ermöglicht worden. Dennoch müsse auch dafür Sorge getragen werden, dass einschüchternde Chefarzthierarchien in Krankenhäusern nicht verhinderten, dass Mitarbeiter sich trauten, Unregelmäßigkeiten, die ihnen auffielen, anzuzeigen. So plädierte er für den Abbau derartiger Mentalitäten. Wissenschaftsjournalist Jean Pütz hält den Tod für ein „notwendiges Übel“ und betonte die Bedeutsamkeit der Organspende, die er voll und ganz befürwortet. Außerdem sprach er sich lautstark dafür aus, ehrlich mit sich selbst zu sein: Entweder möchte man postmortal noch etwas Sinnvolles tun, oder eben nicht. In jedem Fall jedoch sollte man eine Entscheidung treffen und zu ihr stehen. Bärbel Brünger vom Verband der Ersatzkassen wartete mit jeder Menge Informationsangeboten zum Thema auf und betonte wie entscheidend es sei, sich gut zu informieren. Auch das Publikum erhielt noch ausreichend Gelegenheit, den Podiumsgästen Fragen zu stellen und sich so in die Diskussion miteinzubringen. Alles in allem ein spannender Abend, der zumindest eins erreicht hat: Einige Menschen mehr setzten sich nun mit dem Thema Organspende auseinander.

 

Infos zum Thema Organspende unter: www.netzwerk-organspende-nrw.de

 

 

 

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