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Malteser Düsseldorf

Düsseldorfer Wohlfühlmorgen bittet zum 100. Mal zu Tisch

Blumen, Glückwünsche, Waffeln und Weckmänner

03.12.2018
Ein Teil des WFM-Teams im Vorbereitungs-Bereich
Es sind viele Gäste Gäste zum 100. WFM gekommen
Zu essen gibt es reichlich, als Nachtisch sogar Waffeln und Weckmänner
WFM-Gast Karin Krämer überreicht Hans Tophofen Blumen zumJubiläum
Ehrenamtliche Power: Barbara Baum, Praktikant Elias Werhahn und Thomas Odenweller
Medizinische Kompetenz: Stadtarzt Dr. Schumacher mit Zahnarzt Dr. Grzonka und Vizepräsident u. WFM Teammitglied Albrecht Prinz von Croy
Generaloberin Daisy Gräfin von Bernstorff (2.v.l) und Diözesanoberin Alexandra Bonde (r.) zeigen sich begeistert vom WFM und helfen tatkräftig mit

Wäre dieses Konzept nicht so wunderbar aufgegangen, hätte es sich wohl weder über so viele Jahre halten können, noch hätte das gute Beispiel derartig viel Nachahmung in den eigenen Reihen gefunden. Und wer hat`s erfunden, wer genau? Die Düsseldorfer. Die Rede ist vom Wohlfühlmorgen (WFM). Der Wellnesstag für Obdachlose und Arme existiert seit rund 18 Jahren. Als Ehrenamtler Hans Tophofen und seine Mitstreiter die Idee zum Projekt entwickelten und den WFM aus der Taufe hoben, hatten sie nur eins im Sinn: Auch bedürftigen Menschen sollte einmal die Gelegenheit gegeben werden, sich zumindest einen Vormittag lang so richtig wohl zu fühlen. Duschen, Haare waschen und schneiden, sich die Füße fachgerecht behandeln lassen, ärztliche und zahnärztliche Beratung in Anspruch nehmen und vor allem nach Herzenslust frühstücken können. Ohne Hast, sondern gemütlich, in Ruhe und in angenehmer Atmosphäre. Reden und einfach einmal spüren, Willkommen zu sein. Nun öffnet der Wohlfühlmorgen schon zum 100. Mal seine Pforten.

Die Gäste des WFM in der Landeshauptstadt kommen zum Teil bereits seit Jahren zum regelmäßigen Event der Malteser im St. Ursula Gymnasium. Hier fühlt man sich „gewollt“. Auch heute erscheinen wieder rund 300 Menschen, die sich größtenteils schon seit Tagen auf das Event freuen.

Eine von ihnen ist Karin Krämer (66). Die Wahl-Düsseldorferin stammt ursprünglich aus Ost-Berlin. Als sie 1989 mit ihrem damaligen Gatten über die Prager Botschaft herüberkam, waren Hoffnungen und Träume noch groß. Wie das Leben jedoch hin und wieder spielt, kam alles ganz anders: Die Ehe zerbrach, das Paar trennte sich und Karin Krämer musste auch gesundheitlich zahlreiche Rückschläge hinnehmen. Heute lebt die Frau mit dem großen Herzen nach Abzug aller Kosten von nur 107,- Euro monatlich. Von ihrer Bekannten, Marion, aus der Armenküche hatte sie vor fünf Jahren erstmals vom Wohlfühlmorgen der Malteser gehört. „Die hat mir gesagt, geh doch da mal mit hin, Du bist doch so kontaktfreudig“, erinnert sich die 66-Jährige noch genau. Gesagt getan. Es seien alle sehr nett zu ihr gewesen, erzählt sie und ist sich sicher, „man ist hier wirklich gut aufgehoben“.

Obgleich Karin Fußpflege oder Friseur nicht in Anspruch nimmt und sich in der Regel auch nicht mehr als eine Schnitte belegtes Brot beim WFM genehmigt, schätzt sie die Veranstaltung insbesondere aus einem Grund:  Der Smalltalk mit den übrigen Gästen und die Herzlichkeit der Ehrenamtler. Jeder habe ein offenes Ohr und würde einem helfen. „Mir geht es vor allem um den Austausch.“ Begleitet wird Karin heute sogar von einem Kamera-Team des Senders Sat1. Für sein erfolgreiches Frühstücksfernsehen produziert der Sender in Kooperation mit einer TV-Produktionsfirma eine Sendereihe ("Ehrensache") zum Thema ehrenamtliches Engagement. Auf der Suche nach einem Protagonisten hatte es sich angeboten, Karin Krämer anzufragen, nachdem die Rentnerin zu den treusten WFM-Besuchern zählt.

Was die 66-Jährige bewegt, wie sie lebt und was sie genau am Malteser-Projekt wertschätzt, erfährt Redakteurin Elli Beikel heute ganz konkret. Während Karin sämtliche Stationen des WFMs besucht, wird mit der Kamera alles festgehalten.

Bevor die persönliche Tour startet, ist Karin Krämer jedoch eine Sache noch ganz wichtig: Ein prächtiges Blumenbouquet, das sie höchstpersönlich anlässlich des 100. Wohlfühlmorgens für das Team erworben hatte, möchte sie unbedingt WFM-Koordinator Hans Tophofen überreichen. Dieser zeigt sich sichtlich gerührt und weiß die besondere Geste von Karin zu schätzen. So wissen die meisten Team-Mitglieder doch um die finanzielle Situation der Gäste und können sich nur allzu gut vorstellen, was es für sie bedeutet, ein Geschenk dieser Größenordnung zu machen.

Als Karin Krämer sich zurück zum Fernseh-Team begibt, steht Hans Tophofen schon wieder vor der nächsten Aufgabe. Beim WFM gilt es für ihn und seine Co-Koordinatorin, Petra Odenweller, mehr oder weniger an zig verschiedenen Stellen gleichzeitig zu sein, Fragen zu beantworten, auftretende Probleme zu lösen und im Zweifel in Windeseile noch Dinge zu organisieren, die benötigt werden. Jetzt gilt es jedoch zunächst noch zügig einen Aufsager für Facebook zu produzieren. Dies bietet die Chance, womöglich noch den einen oder anderen potentiellen Gast an den WFM zu erinnern und zum leckeren Brunch einzuladen.

Obwohl es das erste Mal für die WFM-Koordinatoren ist, klappt die Kamera-Einstellung sofort und ist unverzüglich im Kasten. Sogleich geht es für das fleißige Chef-Duo weiter, denn anlässlich des 100. WFMs haben sich zahlreiche Gäste angekündigt, die es zu begrüßen gilt. Neben Generaloberin Daisy Gräfin von Bernstorff und Diözesanoberin Alexandra Bonde sind auch die Referentin für das soziale Ehrenamt, Kerstin Fischer, aus Köln sowie der Stadtbeauftragte der Malteser Düsseldorf, Joachim Werries und Stadtgeschäftsführer Sebastian Lohkemper, sowie eine Abordnung der Malteser Neuss unter Federführung von Tim Gladis (stv. Stadtbeauftragter und stv. Rettungsdienstleiter) und des stellvertretenden Stadtgeschäftsführers, Stefan Veiser, gekommen. Erst vor wenigen Wochen hatte die Neusser Gliederung unter großartiger Mithilfe von Jutta Rosenbaum und Tim Gladis selbst ihren ersten eigenen Wohlfühlmorgen auf die Beine gestellt und ein erfolgreiches Ergebnis verbuchen können: 55 Gäste waren erscheinen, zum Teil sogar eigens aus Meerbusch angereist. Vor genau einem Jahr hatten sich die Neusser den WFM in Düsseldorf ganz genau angesehen, um dem Beispiel zu folgen. So ist die Freude der Düsseldorfer über den erneuten Besuch der Kollegen anlässlich des Jubiläums jetzt besonders groß.

Für Diözesanoberin Alexandra Bonde stellt der Besuch des Düsseldorfer Wohlfülmorgens auch etwas Besonderes dar: „Ich liebe den Wohlfühlmorgen, da er den Gästen, die wir hier erwarten dürfen, ein Stück Himmel gibt. Dadurch, dass sie hier freundlich aufgenommen und versorgt werden, und das nicht nur im Hinblick auf den Magen, sondern auch in Bezug auf die Möglichkeit, sich hier frisch machen zu können. Schön ist außerdem, dass der Wohlfühlmorgen an eine Schule angeschlossen ist und mit jungen Menschen kooperiert, die keine Berührungsängste haben, sondern soziales und ehrenamtliches Engagement umsetzen.“

So findet Bonde, dass es den Wohlfühlmorgen durchaus in noch mehr Städten geben sollte. Dem positiven Beispiel der Düsseldorfer waren in den letzten Jahren durchaus schon manche andere Malteser-Gliedrungen gefolgt. Neben Hamburg, Köln und Kiel setzen sich beispielsweise auch Hildesheim und nun auch Neuss und jüngst sogar Solingen auf diese Weise für Bedürftige Menschen ein.

Das Schöne in Düsseldorf: Ehemalige Schüler betreiben mit Hilfe von derzeitigen Gymnasiasten bei jedem Wohlfühlmorgen eine Kleiderkammer, aus welcher sich die Gäste nach Herzenslust bedienen dürfen. Gerade während dieser Jahreszeit kommt das Angebot besonders gut an und Bedürftige bringen teilweise Karren mit, um die Textilien transportieren zu können.

Unter den helfenden Schülern sind dieses Mal auch Neuntklässler, die unter anderem beim Waffeln-Backen oder der Weckmänner-Ausgabe unterstützen. Für Geschichtslehrer Marcus Rasche, der klassenintern derzeit ein soziales Projekt durchführt, eignet sich der Wohlfühlmorgen daher nur allzu gut, um seine Schüler mitanpacken zu lassen. Den Schülern gefällt`s, so hält die 15-jährige Marie es grundsätzlich für eine gute Möglichkeit für Bedürftige, einmal etwas Schönes zu erleben. Alle seien sehr höflich und dankbar, während sie Weckmänner ausgebe. Auch der gleichaltrige Lennart, der heute in der Kleiderausgabe arbeitet, befürwortet die WFM-Unterstützung seines Gymnasiums voll und ganz. „Ich finde es toll, dass unsere Schule jetzt auch schon das 100. Mal den Wohlfühlmorgen begleitet, denn es ist wirklich eine gute Gelegenheit für die Leute, die kein Geld für Klamotten oder Essen haben bzw. Menschen, die einfach Hilfe brauchen.“ Lennart ist sich sicher, auch beim nächsten WFM wieder mitzuhelfen, weil „es einfach auch Spaß macht“. Auch Klassenkameradin Eva findet klare Worte: „Ich finde es gut, dass Obdachlose hier wenigstens hin und wieder Dinge wie Brot oder Kleidung umsonst bekommen, während sie im Freien betteln müssen, damit sie sich vielleicht einmal in der Woche einen Laib Brot oder etwas zu trinken und Kleidung besorgen können. Ich glaube, die ärmeren Menschen sind auch froh darüber, hier auch einmal Respekt entgegengebracht bekommen. Ich sehe die Menschen jetzt so, dass sie wirklich Hilfe brauchen, diese auch gerne in Anspruch nehmen, sich aber manchmal nicht trauen.“

Auch das Helferteam des Wohlfühlmorgens, ohne welches die Aktion nicht möglich wäre, bringt sich wieder gewohnt fleißig mit ein. Vizepräsident Albrecht Prinz von Croy, als reguläres Teammitglied, kümmert sich seit Langem gemeinsam mit Ehrenamtler Thomas Peter Böttcher und dessen Filius um das Geschirr. "An Tagen wie heute kommen wir mit dem Spülen kaum noch nach, da so viele Menschen gekommen sind", sagt Ehreanamtler Böttcher. Seit drei Jahren hilft er kontinuierlich mit und freut sich darüber, für hilfebedürftige Menschen da sein zu können, die stets zu wenig haben. "Man bekommt auch viel von persönlichen Schicksalen der Gäste mit und hat immer ein offenes Ohr für sie", fügt er hinzu. Neben ihm helfen beim 100. Wohlfülmorgen auch wieder zahlreiche weitere Ehrenamtler bei der Essensvorbereitung- und Ausgabe mit. Die Gäste freut es und verleiht ihnen dieses besondere "familiäre Gefühl", welches so mancher noch weitaus mehr schätzt als die reine Versorgung. Nach einem erfolgreichen 100. Wohlfühlmorgen verlassen die zufriedenen Gäste nach und nach gegen späten Mittag sodann das Schulgelände des Gymnasiums. Und eins ist sicher: Auf den nächsten WFM im neuen Jahr freuen sich die Menschen schon jetzt.

 

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