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Malteser Düsseldorf

Größter Teilnehmer-Wunsch: Erfolgreiches Refugee-Kunstprojekt der Malteser Düsseldorf soll weitergehen

Jahresabschlussveranstaltung der Integrationslotsen zeigt auf, wie Eingliederung gelingen kann

10.01.2019
Die Besucher der Jahresabschlussveranstaltung zeigten sich von den Exponaten begeistert
Koordinator Jürgen Claessens setzt sich für neue Projekte in 2019 ein
Fragen zum Projekt wurden gerne beantwortet
Projektteilnehmer Navid ist seit Anfang an dabei
Zahlreiche Besucher verweilten lange beim Abschlussevent
Bei Häppchen und Drinks gab es jede Menge Autausch

„Der Gedanke hinter dem Projekt ist denkbar einfach: Man trifft sich einmal die Woche, um gemeinsam das Acrylmalen zu lernen und so auf informeller Basis miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu kommen. Und was soll ich sagen? Es funktioniert! Im letzten Jahr ist unsere Malkurs-Gruppe zusammengewachsen, wir haben mit- und voneinander gelernt und dabei einiges über den anderen und dessen Kultur erfahren. Das Deutschsprechen ergab sich dabei ganz von selbst“, schwärmt Ehrenamtlerin Catharina von Hertzberg (32). Seit letztem Frühjahr engagiert sich die Volljuristin mit Feuereifer für diese gute Sache. Die Rede ist vom Integrationslotsen-Projekt der Malteser Düsseldorf mit dem wohlklingenden Namen, “Jenseits von Sprache, aber nicht ohne Farben“.

 

Seit rund zwei Jahren widmet sich die Hilfsorganisation in der NRW-Landeshauptstadt geflüchteten Menschen auch im Rahmen kulturellen Schaffens. In diesem Zusammenhang werden bei den wöchentlichen Treffen im Rather Familienzentrum gleich zwei Ziele verfolgt: Das Erlernen oder Optimieren von Maltechniken und der nahezu spielerische Erwerb der deutschen Sprache. Davon, dass beides perfekt aufgegangen scheint, zeugen schon jetzt zahlreiche Beispiele: So haben Teilnehmer wie der 23-jährige Navid und die gleichaltrige Freundin, nennen wir sie Rana, aus Afghanistan, so viel Freude am Projekt, dass sie sich selbst an Tagen, an welchen gar kein Kurs stattfindet, intensiv mit der Malerei an der Staffelei befassen und sich heute bereits auf Deutsch unterhalten können.

 

Das Geheimnis hinter dem durchdachten Konzept: Sowohl Flüchtlinge als auch interessierte Einheimische betreiben hier gemeinschaftlich Kunst und kommen so ganz leicht miteinander ins Gespräch. Anfängliche Kommunikationsprobleme bei Jenen, die noch gar kein Deutsch sprachen, ließen sich in der Vergangenheit einfach durch malerisches Demonstrieren überwinden, erzählt Dozentin Anne Fiedler, die den Kurs von Anfang an mit Begeisterung leitete. Manch ein Teilnehmer habe sich jedoch auch regelrecht auf die Hinterbeine gestellt und Vokabeln gepaukt, nachdem klargeworden war, dass man ohne Sprachkenntnisse auf Dauer nicht sonderlich weit komme, erklärt die 41-Jährige. So bot sie ihren Schützlingen von Anfang an denn auch immer wieder ein vielfältiges Programm: Von Stillleben über Reiseerfahrungen und Collagen, die mit verschiedensten Materialien gefertigt wurden und bereits 2017 Thema waren, bis hin zur ausschließlichen Arbeit mit Acryl bei Themen wie Landschaftsmalerei oder Porträts von Kindern oder Enkeln der Kursteilnehmer, ist alles dabei. Ganz flexibel geht Fiedler dabei immer wieder gerne auf die individuellen Wünsche ihrer wissbegierigen Schüler ein.

 

Kunst verbindet eben und macht Freude, weiß auch Projektkoordinator Jürgen Claessens von den Maltesern. Die große Leidenschaft, mit der der Düsseldorfer die Malteser-Integrationsprojekte auf den Weg bringt, zeichnet ihn aus. Ob Musik-Konzept, bei dem geflüchtete Menschen und Einheimische nach Herzenslust miteinander „jammen“ können, Plastizieren mit Ton, bei dem das direkte Anfühlen im Vordergrund steht oder Schauspielerei, wo starke Gefühle auf die Bühne gebracht werden, Claessens lässt sich seit Beginn des Malteser-Programms für Refugees immer wieder Originelles einfallen, um Menschen zu vereinen.

 

Schon zum wiederholten Mal stand daher auch zum Jahresende wieder eine Abschlussveranstaltung für das beliebte Kunstprojekt an. Die zahlreich erschienenen Gäste nutzten die Gelegenheit, um sich eine große Auswahl an Ergebnissen des vergangenen Jahres anzusehen und staunten nicht schlecht über manches Exponat. Zwölf regelmäßige Teilnehmer aus Afghanistan, Indien, dem Iran, Syrien und natürlich Deutschland kommen hier regelmäßig zusammen und betreiben letztendlich so viel mehr als nur bildende Kunst: Hier entstehen Kontakte und Freundschaften, es erfolgt Austausch, man lernt voneinander und nicht nur, sich rein sprachlich zu verstehen. Doch gerade Letzteres hat sich bei den nicht-einheimischen Teilnehmern des Kunstkurses derartig verbessert, dass jetzt sogar Ansprachen vor Publikum in deutscher Sprache abgehalten werden konnten, berichtet Projekt-Initiator Claessens stolz.

 

In 2018 war die Abschlussveranstaltung das vorerst letzte “Gastspiel“ für die multikulturellen Kunstfans. Ist doch für 2019 noch nicht geklärt, ob das beliebte Projekt weitergehen kann. Dass dies ein Herzenswunsch ihrer Malerei-begeisterten Teilnehmer ist, weiß auch Kunst-Dozentin Anne Fiedler: „Sie sagen immer wieder voller Hoffnung, dass das Projekt weitergehen müsse.“ So begeistere die Thematik alle Mitwirkenden doch tatsächlich dermaßen, dass sie sich selbst dann, wenn Fiedler es aus Zeitgründen nicht möglich machen könne, gemeinsam organisierten und Kunstausstellungen besuchten, fährt die studierte Künstlerin fort. Das Einzigartige an diesem Projekt sei insoweit auch, wie unglaublich viel Freude und Spaß alle Teilnehmer hier miteinander hätten, dass Zusammenhalt und Unterstützung großgeschrieben und ein Punkt ganz deutlich werde: Die Art und Weise, gemeinsam Fröhlichkeit zu verspüren, sei in jeder Kultur gleich. Eine Fortsetzung des Programms wäre insoweit also mehr als nur wünschenswert.

 

Einziges Erfordernis: Eine Bewilligung durch das Bundeskanzleramt als Kooperationspartner und Förderer oder des Ministeriums für Kinder, Familien, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW (MKFFI). Projekt-Koordinator Jürgen Claessens setzt sich schon jetzt wieder mit größtem Engagement auf allen Ebenen dafür ein, dass die Entscheidungsträger das Potenzial von künstlerischem Arbeiten für eine gelingende Integration erkennen und es auch in Zukunft wieder jede Menge Kunst und Kultur bei den Integrationslotsen der Malteser Düsseldorf geben wird. Bleibt zu hoffen, dass das “Go“ schnell erfolgt, denn wie schön ist es zu sehen, wie Integration und glückliche Momente mit einfachen Mitteln gelingen können.

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