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Malteser Düsseldorf

„Wir nehmen die Corona-Pandemie sehr ernst“

Rigorose präventive Maßnahmen um nicht auszufallen

17.03.2020

In Nordrhein-Westfalen gibt es die meisten Corona-Patienten in Deutschland. Die Anzahl der bekannten Fälle steigt stark. Viele Menschen befinden sich in Quarantäne. Die Landesregierung reagiert. Schulen und Kitas sind geschlossen. Veranstaltungen wurden abgesagt. Das öffentliche Leben ist stark eingeschränkt. Der Höhepunkt sei noch nicht erreicht, sagt Ministerpräsident Armin Laschet.  Auch die Malteser spüren massive Auswirkungen. Wir haben mit unserer Regional- und Landesgeschäftsführerin Dr. Sophie von Preysing und Thomas Fecker, dem Leiter des Krisenstabes in NRW, gesprochen.
 
Wie ernst ist die Lage?
 
Sophie von Preysing: Wir nehmen die Corona-Pandemie sehr ernst. Wenn sich in kurzer Zeit viele Menschen anstecken, werden wir auch in Deutschland an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit geführt. Dem sollten wir mit aller Kraft entgegenwirken. Daher muss die oberste Maxime für uns alle lauten: Sorgen wir dafür, dass wir uns nicht anstecken!  Wir Malteser in NRW sind ja bekanntlich Partner der Gefahrenabwehr und Teil der Kritischen Infrastruktur.  Deshalb ist es unsere Verantwortung, rigorose präventive Maßnahmen zu ergreifen, um nicht auszufallen. Neben der Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegt unsere oberste Priorität nach wie vor auf der dauerhaften Sicherstellung unserer Leistungsverpflichtung in den Diensten, auf die unsere Schutzbefohlenen besonders angewiesen sind.
 
 
Wie haben sich Malteser als Hilfsorganisation auf diese Herausforderung eingestellt?

Sophie von Preysing: Wir sind vorbereitet. So gut es geht. Wir haben bereits seit über zwei Wochen vorsorglich auf Landesebene und in den fünf Diözesen Lagezentren eingerichtet. Darüber tauschen sich unsere Experten und Führungskräfte aus, führen die Gliederungen des Verbandes in der Fläche und halten den Kontakt zur Landesregierung, zu den Regierungspräsidien und zu unseren Partnerhilfsorganisationen. Seit gestern, Montag, arbeitet in NRW zusätzlich ein Malteser-Krisenstab, um noch schneller und zielgerichteter reagieren und führen zu können. In diesem Krisenstab sitzen erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie unterstützen unsere operative Ebene und sorgen für schnelle Entscheidungen und effiziente Kommunikation. Das ist im Moment sehr wichtig.
 
Mit dem nun verfügten „lock down " (alle Maßnahmen des Landes NRW zur Einschränkung des öffentlichen Lebens, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen) stellt sich naturgemäß die Frage, wie das Land NRW auf die Herausforderungen eingestellt ist?
 

Thomas Fecker: Neuinfektionen sind so niedrig wie eben möglich zu halten, damit das System der Daseinsvorsorge nicht an seine Leistungsgrenzen gerät. Das Land NRW und alle übrigen Bundesländer haben vor einigen Jahren sehr viel aus der damals sehr extrem verlaufenen Influenza gelernt. Durch die damals rasch ansteigende Zahl an Neuinfektionen waren viele Hausarztpraxen und Notaufnahmen überlastet und mussten auf Personal und Sachmittel des Katastrophenschutzes zurückgreifen. Eine solche Situation soll durch die aktuell eingeleiteten Maßnahmen vermieden werden, die viele Menschen drastisch in ihrem Alltagsleben einschränken. 
 
Die Psyche der Menschen macht mir allerdings schon Sorgen. So eine Situation ist für alle neu, außer vielleicht für die Generation, die den 2. Weltkrieg und die Jahre danach schon erlebt hat. Das kann man sehr gut an den Hamsterkäufen erkennen. Die Versorgungsketten sind aber intakt. Es gibt keinen Anlass, sich über das Maß mit Lebensmitteln einzudecken. Die Empfehlungen des Bundes sind da vollkommen ausreichend. Im Augenblick ist es wichtig, dass sich Solidarität und verantwortungsvolles Verhalten der Bevölkerung durch maßvolles Konsumverhalten, das Vermeiden von Gemeinschaftsveranstaltungen und Einkaufsgemeinschaften auszeichnen. Einkaufsgemeinschaften können älteren und gesundheitlich belastete Menschen entlasten, wenn diese nicht in den Supermarkt müssen und so potentielle Infektionen vermieden werden können. Aber auch gezielte Falschmeldungen in den sozialen Medien verunsichern die Menschen.
 
Wie kann Ihr Krisenstab dieser Herausforderung begegnen?
  Thomas Fecker: Als Hilfsorganisation müssen wir handlungsfähig sein und bleiben. Gerade jetzt und auf unbestimmte Zeit. Wir müssen verantwortungsvoll mit unseren beschränkten Ressourcen an Personal und Material umgehen. Das gelingt am besten durch eine straffe Leitung, klar definierte Zuständigkeiten und eindeutige Kommunikations- und Meldewege. Nichts anderes macht dieser Stab. Wir bringen Ordnung in ein System, das immer mehr Einschränkungen erfährt.
 
Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf den Rettungsdienst?
 
Thomas Fecker: Derzeit noch keine. Unser Rettungsfachpersonal hat es auch sonst mit möglicherweise infektiösen Patienten zu tun. Sie sind gut ausgebildet, wissen, was zu tun ist, wie sie sich schützen können. Natürlich haben wir sie jetzt erneut sensibilisiert. Wir mahnen gebetsmühlenartig  zu Vorsicht und Umsicht, geben aber auch glasklare Handlungsanweisungen über den Krisenstab heraus.
 
Sind die Malteser schon im Einsatz?
 
Sophie von Preysing: Ja, das läuft seit vergangener Woche an. In Bonn haben wir zusammen mit den Partnerhilfsorganisationen Abstriche gemacht. Wir haben einen verstärkten Helfereinsatz in der Städteregion Aachen. In Dormagen und Neuss werden Registrierungszentren eingerichtet, um Hausarztpraxen und Kliniken zu entlasten. Insgesamt sind wir aktuell in 16 Corvid-19 bezogenen Einsätzen einbezogen.
 
Haben Sie genug Desinfektionsmittel und Schutzausrüstung?
 
Thomas Fecker: Desinfektionsmittel sei genug vorhanden, hat uns unser hauseigener Versorger mitgeteilt. Der Nachschub ist aber nicht überall in Nordrhein-Westfalen so sicher.  In unseren Krankenhäusern im Rhein-Ruhrgebiet mussten wir die Bestände schon extra wegschließen, weil Flaschen gestohlen worden sind. Um unsere Mitarbeiter, die in unmittelbaren Kontakt mit Angesteckten treten, zu schützen, benötigen wir Spezialanzüge und Masken. Die halten wir nicht selbst vor. Aber die zuständigen Landratsämter oder Kommunen stellen sie uns zur Verfügung.  Wir wollen unsere Kollegen vor Ansteckung schützen.
 
Finden noch Erste Hilfe Kurse statt?
 
Sophie von Preysing: Leider nein. Wir haben zunächst bis zum Ende der Osterferien alle unsere Angebote eingestellt. Neben den Vorgaben der Bundesregierung sind zusätzliche Vorgaben der Landesregierung NRW sowie der zuständigen Städte, Kommunen und Gemeinden in der jeweils gültigen Form für uns verpflichtend. Die Landesregierung NRW hat aktuell alle Weiterbildungsveranstaltungen untersagt.
 
Wie lange wird der Krisenmodus bei den Maltesern aufrecht erhalten bleiben?
 
Thomas Fecker: Solange es notwendig ist. Wir sind in ständigem Austausch mit der Landesregierung und den anderen Hilfsorganisationen. Wir stimmen uns eng miteinander ab.

 

Aktuelle Hinweise, Regelungen, Infos und Tipps gibt es unter:

http://www.rki.de
http://www.land.nrw/corona

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