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Malteser Düsseldorf

Tipps für Angehörige, die derzeit mehr in der häuslichen Pflege gefordert sind

Malteser-Pflegeexpertin Uschi Thiel rät zu möglichst viel Kommunikation

27.03.2020
SPA-Dozentin Uschi Thiel verfügt als examinierte Krankenschwester über mehr als 30 Jahre Berufserfahrung

Mit ihrer über 30-jährigen Erfahrung weiß die examinierte Krankenschwester und Malteser-Dozentin der Sozialpflegerischen Ausbildung genau, wovon sie spricht. In der Pflege zu Hause können schon ein paar Verhaltensregeln das Leben ungemein erleichtern. In diesen Zeiten kann es vorkommen, dass man als Angehöriger womöglich mehr als üblich gefordert ist. Hier sind zehn Tipps, um die Situation bestmöglich zu meistern

 

Häusliche Pflege - das sagt sich so einfach!?

Es erfordert viel Rücksichtnahme, Wissen und Engagement. Wir sind dankbar über jede Hilfe durch den ambulanten Pflegedienst oder 24 Stunden Dienst, Freunde oder Nachbarn. In Zeiten der Corona-Krise werden wir vor neue Herausforderungen gestellt. Wir müssen Zeiten allein überbrücken. Hilfe von außen bröckelt weg.

„Selbst ist die Frau, der Mann,“ - aber wie fragt sich da so manch einer?“

Hier einige Tipps:

1. Scham, Berührungsängste den eigenen Eltern/Schwiegereltern gegenüber und umgekehrt, den Kindern gegenüber, müssen überwunden werden. Hier wäre ratsam, eine neutrale Arbeitsbasis zu schaffen, damit Körperpflege, die Begleitung zur Toilette oder gar Inkontinenzwechsel stattfinden können. Wir kennen es alle von uns selbst oder von unseren Kindern, als sie klein waren. So viel anders ist es jetzt auch nicht. Also: Nacktheit beiseiteschieben, denn die Hautbeschaffenheit, die Beweglichkeit, der Schmerz und die damit verbundene Apathie oder das Ungehalten sein rücken jetzt in den Mittelpunkt.

 

2. Kommunizieren Sie jede ihrer Handlungen, so kann sich Ihr Angehöriger darauf einstellen, fühlt sich weder überrascht noch überrollt.

 

3. Gute Pflege zeichnet sich nicht nur durch waschen aus. Das, was mein Gegenüber spürt, versuche ich zu erkennen, z.B. raue, gereizte, rote oder eine verletzte Hautoberfläche bzw. Druckstellen. Achten Sie also auch auf das Abtrocknen! Es gibt nichts unangenehmeres und gefährlicheres als nasse Hautstellen, z.B. zwischen Hautfalten oder Zehen und Fingern. Ein kräftiges Abrubbeln kann allerdings durchaus unangenehm bis schmerzhaft sein. Angenehme Raumtemperatur erleichtert die Arbeit. Ein Pflegebedürftiger friert sehr schnell und mag daher oft ungern gewaschen werden. Also – kleine Flächen waschen, die anderen Körperflächen mit Handtüchern vor Kälte schützen. So ist man auch nicht vollständig entblößt.

 

 

4. Nach dem Abtrocknen benötigt die Haut noch Pflegesubstanzen (Körperlotion), dann zügig ankleiden.

5. Bitte auf die Hautfalten achten! Da, wo Haut auf Haut liegt (Halsfalten, Brust-, Bauch-, Leisten…), bilden sich gerne Hautirritationen oder Pilzinfektionen. Darum gut waschen, trocknen pflegen und beobachten!

 

6. Eine gute Körperpflege trägt zum Wohlbefinden bei. Motivieren Sie Ihren Angehörigen zur Mithilfe, auch wenn dies nur bedeutet, dass er seine Hände ins oder unter Wasser hält. Dies bewirkt ein tolles Hautgefühl, denn alleine kommt Ihr Angehöriger oftmals nicht mehr zum Waschbecken. Es kommt zu einer positiven Stimulierung.

 

7. Arbeiten Sie nach Möglichkeit ohne Zeitdruck, sonst fühlt sich Ihr Angehöriger schnell als Belastung und so wird er auch reagieren.

 

8. Beim Waschen und Abtrocknen bewegen sie so viele Gelenke durch wie möglich. Sie werden sehen, nach einigen Malen kostet es Sie schon keine weitere Zeit mehr. In jedem unserer Gelenke liegen kleine Rezeptoren, die dem Gehirn melden:  „Bewegung“. Sie werden beobachten, dass eine Bewegung, z.B. Umsetzen vom Toilettenstuhl in den Rollstuhl, nun etwas leichter funktioniert. Denken Sie an sich selbst: Keine Bewegung und langes Sitzen machen steif. Dies tut weh und löst Bewegungsunsicherheit aus.

 

9. Hygiene; - Im eigenen Haushalt reichen Seife, normale Haushaltsreiniger und Waschmittel vollkommen aus, sonst schwächen wir das Immunsystem immer mehr. Nur in medizinisch begründeten Situationen sollten Desinfektionsmittel angewandt werden. Einmalhandschuhe würde ich nur bei der Intimwäsche tragen. Dies ist für beide Seiten angenehmer und neutralisiert diese wichtige Pflegeeinheit. Achtung: Auch die Mundpflege sollte nicht vergessen werden.

 

10. Was brauchen Sie?

 

Ein großes Herz, ein gutes Zeitmanagement, Ausdauer, innere Ruhe, Ausgeglichenheit (auch Stunden für sich selbst!), Humor und das Vertrauen in sich selbst, Motto: „Ich kann!“

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