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Malteser Düsseldorf

Unser Stadtseelsorger ist neuer Stadtdechant

Pfarrer Frank Heidkamp: "Da sind viele Herausforderungen für die nächsten Jahre"

09.09.2020
Der frischgebackene Stadtdechant, Frank Heidkamp, engagiert sich seit seiner Jugend für die Malteser Düsseldorf und ist seit rund zehn Jahren auch deren Stadtseelsorger
Maxhaus-Strandstuhl, Malteser-Beachflag - So lässt sich selbst bei herbstlichem Wetter noch ganz "gechillte" Spätsommeratmosphäre für den Talk schaffen. Am 20.September findet der feierliche Einführungsakt für den neuen Stadtdechanten vor Schloss Benrath statt

Seit dem 1. September 2020 ist er offiziell neuer Stadtdechant der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt. Für die Malteser engagiert sich der Düsseldorfer, der leideschaftlich gerne Krimis liest, bereits seit seiner Jugend. Die Rede ist von Pfarrer Frank Heidkamp. Rund zehn Jahre ist er überdies als Stadtseelsorger für die hiesige Gliederung der Hilfsorganisation im Einsatz und bei Alt und Jung gleichsam beliebt. Grund genug für ein ausgiebiges Gespräch mit dem Würdenträger, der durch seine besonnene und liebenswürdige Art stets einen Zugang zu den Menschen findet und sich für deren Anliegen offen zeigt. Noch vor dem feierlichen Akt der Einführung als Stadtdechant haben wir ihn im Maxhaus getroffen.

 

 

 

?: Wann hatten Sie zuletzt Gelegenheit, einen Krimi zu lesen?

 

Frank Heidkamp: Das ist noch gar nicht so lange her. Erst vor drei Wochen war ich in Südtirol und da nehme ich mir immer Krimis mit, unter anderem von Colin Forbes.

 

?  Schon zu Ende gelesen?

 

Frank Heidkamp: Natürlich. Da brauche ich immer zwei bis drei Tage.

 

?: Man muss sich also keine Sorgen machen, dass womöglich künftig keine Zeit mehr bestünde, Ihrem Hobby zu frönen?

 

Frank Heidkamp: Es ist immer wichtig, sich auch selbst Freiraum zu gönnen, damit man wieder Kraft hat, für alles, was kommt.

 

?: Wenngleich die offizielle Amtseinführung mit feierlichem Akt auch erst am 20.09. stattfinden wird, bekleiden Sie das Amt des Stadtdechanten Düsseldorfs rein faktisch bereits ab dem 1.September. Diese Tätigkeit hatten Sie kommissarisch, nach dem Rücktritt Ihres Vorgängers, Ulrich Hennes, schon vor rund anderthalb Jahren übernommen und dürften sie darüber hinaus auch noch bestens aus Ihrer Zeit als Stadtdechant in Wuppertal kennen. Für alle, die nicht wissen, was dies ganz konkret bedeutet: Wie unterscheidet sich der Tagesablauf eines Stadtdechanten von dem eines Pfarrers im Düsseldorfer Rheinbogen?

 

Frank Heidkamp: Der Stadtdechant ist der oberste Vertreter der katholischen Kirche in einer Stadt und vertritt dort den Erzbischof und seine Anliegen im Hinblick auf die Katholiken, auf Parteien sowie die Gremien der Stadt, wenn es beispielsweise um Kindertageseinrichtungen, Krankenhäuser oder Seniorenpflegeheime geht. Als Stadtdechant hat man oft damit zu tun und führt teilweise die Verhandlungen. Darüber hinaus ist man natürlich auch der Vertreter gegenüber den anderen Kirchen und Religionen, z.B. gegenüber der evangelischen Kirche oder der Freikirchen, aber auch gegenüber den Muslimen. Man ist dort der oberste Ansprechpartner. Es gibt zum Beispiel die ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Düsseldorf), wo man im Normalfall im Vorstand ist. Des Weiteren ist man natürlich das Sprachrohr der Katholiken hier in Düsseldorf, um dann über die verschiedenen Belange mit dem Erzbischof ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich sind meistens Aufsichtsratsgremien mit dem Amt verbunden, wie beim Caritasverband oder der ASG (Arbeitsgemeinschaft Sozialpädagogik und Gesellschaftsbildung e.V.) oder in einigen Alten- und Pflegeheimen.

 

?: Klingt nach spannenden Aufgaben.

 

Frank Heidkamp: Darüber hinaus kommt eben der Pfarrer von St. Lambertus, wozu St. Maximilian, St. Lambertus, St. Andreas und St. Maria-Empfängnis gehören, hinzu. Der dritte Bereich ist noch jener der Cityseelsorge, wovon man der Leiter ist. Da geht es hauptsächlich um Fragen, wie eine Stadt attraktiv für Menschen werden kann, die vielleicht noch gar nichts von Kirchen kennen. Beispielsweise solche, die als Touristen in die Stadt kommen. Da ist es Aufgabe, Konzepte zu entwickeln. Wir haben hier ja das wunderschöne Maxhaus, wo im Laufe des Jahres viele Leute hinkommen, aber auch die Kirchen und weitere Angebote, auch solche der Dominikaner und Franziskaner. Es ist also ein umfassendes Paket, höchst interessant und spannend.

 

?: All dies hört sich nach drei unterschiedlichen, recht großen Bereichen an. Wie wird das zeitlich aufgeteilt? Schlichtweg gedrittelt oder nach Bedarf entschieden, quasi so, wie es gerade anfällt?

 

Frank Heidkamp: So wie es anfällt. Da bin ich derjenige, der entscheiden kann, wo setze ich jetzt Zeit ein, wo setze ich Prioritäten. Das ist sehr unterschiedlich im Laufe des Jahres.

 

?: Wenn jede Menge Besprechungen sowie viel Verwaltungsaufwand und Organisatorisches anfallen, wie nah sind Sie dann noch am Menschen dran?

 

Frank Heidkamp: Ja, das klingt nach viel Bürokratie, aber die hat ja auch etwas mit Menschen zu tun, denn sie soll ja im Dienst der Menschen stehen. Das heißt, wenn ich in Gremien arbeite, arbeite ich mit Menschen zusammen, um dort einfach zu schauen, dass das Menschlich-Pastorale nicht zu kurz kommt.

 

?: Stichwort: Abschied als Pfarrer des Rheinbogens. Schenkt man dem Titel des Liedes von Interpretin Katja Ebstein Glauben, ist “Abschied ein bisschen wie Sterben“. Wie empfanden Sie die unterschiedlichen Verabschiedungen, die bereits stattgefunden haben, bei denen Menschen teilweise extrem traurig waren?

 

Frank Heidkamp: In den 13 Jahren, in denen ich im Düsseldorfer Rheinbogen war, ist natürlich viel an Beziehungen und Miteinander entstanden. Wenn man dann geht, fällt das nie so einfach. Da halte ich mich aber eher an Kölner, die sagen: „Niemals geht man so ganz“. So sang ja Trude Herr weiter im Text, „Irgendwas von Dir bleibt hier“. Ich denke, man nimmt immer etwas mit. Wenn es viel Positives gegeben hat, nimmt man viel Positives mit, um dann zu gucken, was bedeutet das jetzt bei der neuen Aufgabe.

 

?: Ein anderes Sprichwort besagt, „Neue Besen kehren gut“. Haben Sie sich als Stadtdechant Neuerungen auf die Agenda gesetzt oder bleibt das Meiste wie es war?

 

Frank Heidkamp: Ich bin jemand, der sich Dinge immer erst genau anschaut und nicht derjenige, der sofort sagt, „Hoppla, hier komme ich und das muss alles verändert werden“. Es gibt sicherlich viele Bereiche, die ich mir anschauen werde, wo ich dann vielleicht am Ende sage, „Das ist gut so“ und es gibt andere Bereiche, wo ich sage, „da könnte man vielleicht neue Akzente oder neue Prioritäten setzen“. Das dauert aber ein bisschen. Erst mal ankommen und gucken! Es gibt die Regel: Sehen, urteilen, handeln und an die halte ich mich.

 

? Seit rund zehn Jahren sind Sie Stadtseelsorger der Malteser. Wie würden Sie Ihre ganz besondere Verbindung zur Hilfsorganisation beschreiben? Malteser sind Sie ja quasi schon ewig.

 

Frank Heidkamp: Ja, kann man sagen. (lacht). Ich habe einmal in der Gemeinde St. Josef-Holthausen den Malteser Hilfsdienst schätzen und kennenlernen können. Da war ich ungefähr 17 Jahre alt.

 

?: Gab es ein Schlüsselerlebnis?

 

Frank Heidkamp: Ich hatte mir einfach mal überlegt, „was willst du tun“. Zur damaligen Zeit stand für mich kurz vor dem Abitur fest, dass ich Theologie studiere, um vielleicht einmal Priester zu werden. Insoweit hätte ich nichts machen müssen, aber ich habe gesagt, „warum sollen diejenigen, die Theologie studieren, sich nicht auch irgendwie zum Wohl der Menschen einsetzen“? Damals hatte ich in Holthausen interessante Menschen des Malteser Hilfsdienstes kennengelernt, die dort Gruppenleitung waren, u.a. Klaus Ringleb, den es ja immer noch gibt. Es hat mir Spaß gemacht, mich dort für Menschen zu engagieren und dann bin ich geblieben.

 

?: Sich dann in der Funktion als Stadtseelsorger für den Hilfsdienst zu engagieren, ist ja gegenüber der reinen aktiven Mitgliedschaft noch etwas anderes. Wie kam es dazu?

 

Frank Heidkamp: Ich bin angesprochen worden. Ich finde es auch weiterhin wichtig, dass wir hier einerseits einen Malteser Hilfsdienst haben, andererseits aber auch andere Organisationen, die im christlichen Sinne einen Blick auf Menschen haben und nicht nur über einen Rettungsdienst verfügen, sondern auch an die Seele des Menschen herankommen, weil sie überzeugt sind und als Christen etwas Gutes tun wollen.

 

?: In Ihrer Funktion haben Sie für uns Malteser bereits zahlreiche Fahrzeugsegnungen sowie die Segnung unseres InfoPunktes vorgenommen und sich für die üblicherweise jährlich stattfindende Kevelaer-Wallfahrt engagiert.  Lässt sich eigentlich zusammenfasen, was zu den klassischen Aufgaben eines Stadtseelsorgers bei einer Hilfsorganisation zählt?

 

Frank Heidkamp: Sie haben schon ein paar Sachen genannt. Was in Düsseldorf sicher ganz wichtig ist, ist der Wohlfühlmorgen, weil da nochmal ganz andere Menschen in den Blick genommen werden. Wir waren ja innerhalb Deutschlands hier in Düsseldorf eigentlich die Vorreiter. Das sind solche Punkte, bei denen man einfach einmal hinschaut und fragt, „was dient den Menschen“? Das kann auch der Dienst in Schulen, ebenso die Malteser Jugend oder die Betreuung von Maltesern sein, die inzwischen aufgehört haben. Gottesdienste, Segnungen, das ist die Bandbreite und da muss man gucken, wo man gewünscht ist und sich dann einsetzen.

 

?: Bleiben Sie uns denn trotz Ihrer neuen Stadtdechanten-Aufgabe weiterhin als unser Malteser-Stadtseelsorger erhalten?

 

Frank Heidkamp: Da ich immer gesagt habe, die Malteser habe ich im Blick, wird das sicherlich auch weiterhin so sein.

 

?: Das ist sehr beruhigend und freut uns außerordentlich. Erinnern Sie sich eigentlich in diesem Zusammenhang an ganz besondere Erlebnisse?

 

Frank Heidkamp: Beim Wohlfühlmorgen hat mich sehr beeindruckt, wie viele sich für Menschen, die in Not sind und teilweise auf der Straße leben, immer wieder eingesetzt haben und das in einer Herzlichkeit und Freundlichkeit, dass es wirklich zu einem Wohlfühlmorgen für Menschen kommen konnte. Ich finde es toll, wenn Malteser sich Zeit nehmen, um einen Tag nach Kevelaer zu fahren und sich um Menschen zu kümmern. Ich denke auch an die Romwallfahren für Menschen mit Handicap, wo sich ja auch immer wieder viele Malteser neu einsetzen. Ebenso an Katholikentage, wo Malteser ganz selbstverständlich vertreten sind. Es gibt dort so viele Dinge, von denen ich sage, „Mensch, toll, das gefällt mir“.

 

?: Sie wurden 1958 geboren, jenem Jahr, in welchem Angelo Guiseppe Roncalli zum Papst gewählt wurde und sich für den Namen “Johannes XXIII.“ entschied, Charles de Gaulle zum ersten Präsidenten der Fünften Französischen Republik ward und es zur ersten Rezession der Weltwirtschaft innerhalb der Nachkriegszeit, mitten im Wirtschaftswunder, kam, von der die Bundesrepublik glücklicherweise nur gering betroffen war. Wie ist daraufhin Ihre Kindheit hier in Düsseldorf verlaufen und wann genau sowie auf welche Weise hat sich Ihr Wunsch, Theologie zu studieren, entwickelt?

 

Frank Heidkamp: Meine Eltern, aus Oberbilk stammend, sind beide katholisch aufgewachsen. Mein Vater war Werbechef bei Henkel. Deshalb sind wir nach Holthausen umgezogen als ich ein paar Jahre alt war, weil die Henkelwerke ja dort sind. Ich bin früh in Kirche hineingewachsen. Ich bin auf das Görres-Gymnasium auf der Königsallee gekommen und hatte da irgendwann Dominikaner als Religionslehrer, als Klassenlehrer und als Kunstlehrer. Die haben mich sehr geprägt. Außerdem gab es eine Großmutter väterlicherseits, die, als ich ungefähr zehn Jahre alt war, immer gesagt hat, „Du wirst Priester“. Da haben zwar alle immer gelächelt, aber, auf so etwas hört man. Mein Vater ist gestorben als ich 16 Jahre alt war. Danach habe ich überlegt, ob Theologie etwas wäre. Ich habe mir das vorstellen können und habe dann in Bonn angefangen zu studieren. Innerhalb dieser Zeit des Studiums habe ich mich auch dazu entschieden, Priester zu werden.

 

?: Das war also nicht von vorneherein klar? Mit dem Theologiestudium gibt es schließlich auch noch andere berufliche Möglichkeiten.

 

Frank Heidkamp: Ich habe damals gesagt, „Ich muss erst mal gucken“. Zwischendurch habe ich mir dann auch noch mal die Dominikaner genauer angeschaut und dann festgestellt, dass das Kloster für mich zu eng gewesen wäre. Dann entscheidet man sich eben irgendwann und wartet das O.K. des Bischofs ab, ob der sich das auch vorstellen kann.

 

?: Waren Sie mit Ihrer Lebensentscheidung in jedem Moment Ihrer bisherigen Karriere  glücklich und zufrieden oder gab es auch mal Momente, in denen Sie gesagt haben, „wärst du doch lieber mal Friseur geworden“?

 

Frank Heidkamp: Nein.

 

?: Also, ist das auch Berufung?

 

Frank Heidkamp: Das kann man Berufung nennen, Fügung. Ich habe das in den bisherigen 35 Jahren immer als etwas unwahrscheinlich Erfüllendes und Bereicherndes erlebt. Da muss ich wirklich sagen, dass ich keine Sekunde darüber nachgedacht hätte, irgendwie umzudenken.

 

?: Wenn man, wie Sie, seit über 30 Jahren in diesem Beruf tätig ist, lernt man ja auch die unterschiedlichsten menschlichen Gefühlsregungen kennen. Gibt es diesbezüglich noch etwas, das Sie heutzutage überraschen könnte?

 

Frank Heidkamp: Ich habe sicherlich ganz viele Situationen im Laufe meines Lebens, auch meines Priesterlebens, kennengelernt, sodass mich Höhen und Tiefen nicht mehr abschrecken. Es gibt aber immer wieder Momente in der Begegnung mit Menschen, wo man denkt, „Ach, Du meine Güte, was ist das für ein schwieriges Leben“ und man sich die Frage stellt, „wie kann man eventuell behilflich sein“? Man schaut sich natürlich auch immer wieder genau die Gesellschaft an und stellt sich die Frage, in welche Richtung wir gehen. Ist das so, wie ich mir das vorstelle? Da gibt es sicherlich zu den Themen Schöpfung, Miteinander und Werte viele Punkte, wo ich mir Gedanken mache und auch gucke und mir die Frage stelle, „würdest Du es anders machen“? Da komme ich manchmal an den Punkt, an dem ich sage, „ja, ich würde es anders machen“.

 

?: Inwieweit hat sich die Gesellschaft in den vergangenen Jahren nach Ihrem Dafürhalten in puncto Mitgliedschaft in der Kirche, Besuchen von Gottesdiensten und Moralvorstellungen verändert?

 

Frank Heidkamp: Da möchte ich einmal die letzten 40 Jahre in den Blick nehmen: Sie hat sich radikal verändert. Denn wir sind nicht mehr Volkskirche in Deutschland. Wir sind teilweise eine Randerscheinung und werden auch nicht mehr in den Blick genommen oder angefragt. Menschen gehen irgendwo anders hin, um ihre Fragen beantwortet zu bekommen, was für mich einerseits traurig ist. Ich sage dann, „schade“ und frage mich, warum wir bereits so viele Menschen verloren haben.  Aber gleichzeitig sage ich, ist es auch wichtig, dass Menschen im Gegensatz zu früher, wo vieles nicht diskutiert, sondern abgenickt wurde, mit dem Glauben und mit der Kirche ringen und dann ihre Entscheidung fällen. Das ist schon ein umwälzender Prozess. Wir haben viele Austritte in der evangelischen und der katholischen Kirche, weil es uns nicht mehr gelingt, so sensibel für Menschen zu sein, bzw. die Bedürfnisse, die Menschen haben, in der Kirche so auflaufen zu lassen und zu gucken, wie man dort Menschen nahe sein kann. Da sind viele Herausforderungen für die nächsten Jahre da.

 

?: Welche Ideen gibt es bislang schon, um Menschen wieder mehr von der Kirche zu begeistern?

 

Frank Heidkamp: Sie müssen erst mal in der Kirche anfangen. Jeder Christ müsste eigentlich begeistert sein und begeistern können. Das erlebe ich so nicht unbedingt. Auch Kirchenmitglieder sind teilweise müde geworden. Dann: Dieses Nach-Außen-Gehen. Kardinal Höffner hat früher von einer “Gehen-Kirche“ gesprochen. Da ist viel Wahres dran. Orte zu erleben, wo Menschen ihre Fragen loswerden können - das ist nicht unbedingt die Kirche, wo sie hingehen, sondern das können beispielsweise Orte in der Innenstadt von Düsseldorf sein. Das kann der Malteser Hilfsdienst sein, der auch über Glaubensfragen mit Menschen ins Gespräch kommt und so weiter. Da müssen wir ran! Auf die Menschen zugehen, sie ernst nehmen mit ihren Fragen, Wünschen und Sorgen, um dann zu schauen, wie man mit den Menschen gemeinsam in die Zukunft geht.

 

?: Nach den Skandalen, die es innerhalb der katholischen Kirche gegeben hat, gab es nachvollziehbarer Weise große Entrüstung. Haben die jüngsten Kirchenaustritte mittlerweile andere Gründe oder hängt dies nach wie vor damit zusammen?

 

Frank Heidkamp: Das Thema Missbrauch beschäftigt uns natürlich immer noch. Das ist wie bei einer Wunde. Eine Wunde verheilt zwar, aber es bleiben Narben zurück. Dann muss man gucken, wie kann man mit diesen Narben umgehen. So ist es, glaube ich, auch bei diesem Thema. In der letzten Zeit haben wir auch noch einmal gehört, dass auch Ordensgemeinschaften von der Thematik betroffen sind und dass erst jetzt ein “Mit-der-Thematik-Umgehen“ kommt. Das ist der eine Bereich. Der andere Bereich ist, dass es viele Themen gibt, womit die Katholiken unzufrieden sind, bzw. diskutieren möchten. Die Stellung der Frau in der Kirche, Thema Weiheverständnis, Thema Macht. Das sind so ein paar Punkte, über die gerade intensiv diskutiert wird. Diesen Fragen müssen wir uns stellen und damit auch Menschen ernstnehmen.

 

 

 

?: Sie erwähnten vorhin, dass zu Ihren neuen Aufgaben auch das Entwickeln von solchen Konzepten zähle, beispielsweise Menschen zu gewinnen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit der Kirche hatten. Gibt es da bereits Ideen und Ansatzpunkte?

 

Frank Heidkamp: Es gibt in vielen Städten Deutschlands die Cityseelsorge. Das sind meistens Orte in den Städten, wo Menschen andocken und neugierig sind. Das gibt’s beispielsweise auch hier im Maxhaus, aber auch in der Innenstadt. Ich glaube schon, dass wir da noch mehr tun können. Ich denke an Touristenseelsorge. Es kommen nach Corona hoffentlich noch ganz viele Menschen nach Düsseldorf. Was können wir denen als Kirche anbieten? Die Dominikaner haben zum Beispiel das Angebot des Abends für Verliebte.

 

?: Was macht man da?

 

Frank Heidkamp: Das ist eine Meditation und dann kommt man gemütlich zusammen und es gibt vielleicht noch Anregungen für das Gespräch oder man isst gemeinsam. Das sind schon einmal ein paar Anregungen und so lassen sich sicherlich noch ganz viele finden. Dazu gehört für mich auch der Wohlfühlmorgen, denn da hat man die Not von Menschen gesehen und sich gefragt, „wie könnten wir denen etwas Gutes tun“?. Dann entwickelt sich ein Wohlfühlmorgen und es gibt zuerst etwas zu essen, was den Menschen guttut. Dann kommt der Friseur dazu oder die Fußpflege und schon ist es ein Gesamtpaket, wovon diejenigen, die es betrifft, dann sagen, „das hat mir so gutgetan“. Das müssen wir wieder hinbekommen, dass Menschen von Kirche und von Katholiken sagen, „das ist aber schön.“

 

?: Sozusagen eine Wohlfühlkirche?

 

Frank Heidkamp: Ja. Was immer wichtig ist: Man kennt einander. Kennen wir uns in den Kirchengemeinden noch? Kennen die Gottesdienstbesucher sich gegenseitig? Hinzubekommen, dass man einen Blick bekommt für den Nachbarn in der Kirchenbank, oder jenen, der neben mir wohnt, beziehungsweise denjenigen, der im Stadtteil oder der Stadt lebt. Wenn man sich kennt, verliert man Ängste. Wenn einem jemand fremd ist, ist das immer so eine Sache. Man fragt sich, „Was ist das für einer? Wo kommt er her und so weiter“. Das heißt also, auch da noch einmal zu schauen, sich vertraut zu machen.

 

?: Das ist also die große Aufgabe?

 

Frank Heidkamp: Immer.

 

?: Was sind in Ihrem Job bisher die glücklichsten und was die nervigsten Momente gewesen?

 

Frank Heidkamp: In meinem Job als Priester ist das Nervigste immer all das, was mit verhärteter Bürokratie zu tun hat.

 

?: Nach dem Motto, „Es war schon immer so und so bleibts“?

 

Frank Heidkamp: In diese Richtung gehend. Oder „Nein, da können wir nichts dran tun, da haben wir unsere Paragraphen“. Ich sage immer: Wo bleibt der Mensch? Deshalb nervt mich das manchmal. Sowohl in Kirchen wie auch in der Gesellschaft. Und Highlights sind immer dann, wenn Menschen mir nach einer Zeit sagen, „Ich wollte Ihnen übrigens Danke sagen, denn das Gespräch oder die Unterstützung hat geholfen. Ich bin jetzt auf einem guten Weg, weil ich etwas verändert habe“. Das heißt, wenn man einen zufriedenen Menschen erlebt, ist das immer eine tolle Erfahrung.

 

?: Ist es richtig, dass Sie mit Kardinal Woelki eine gemeinsame Vergangenheit verbindet?

 

Frank Heidkamp: Ja, wir haben zusammen studiert und sind auch gemeinsam geweiht worden.

 

?: Im kirchlichen Bereich gibt es auch die Möglichkeit, gegebenenfalls im Vatikan Karriere zu machen. Haben Sie Rom jemals im Blick gehabt?

 

Frank Heidkamp: Nein, muss ich ganz klar sagen, weil ich immer den Eindruck hatte, je höher man in der Hierarchie in der Kirche steigt, umso mehr entfernt man sich von den Menschen. Dies war zumindest mein Eindruck, der nicht immer stimmen muss. Natürlich haben auch die Bischöfe mit vielen Menschen zu tun. Der Papst hat mit vielen Menschen zu tun. Aber für mich war es nie eine Herausforderung, irgendwie etwas zu werden, weil man als Priester etwas ist. Das reicht mir aus. Dann war es dummerweise immer so, dass Bischöfe an mich herangetreten sind und gefragt haben, „Kannst du nicht noch dies oder jenes machen“. Da ich im Dienst der Menschen stehe, habe ich das meistens bejaht.

 

 

 

?: Wird es nie zu viel?

 

Frank Heidkamp: Es gibt natürlich Situationen, in denen man sagt, „Das ist schon anstrengend oder ich bin müde“. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere Seite, die etwas mit meinem theologischen Verständnis zu tun hat, ist die, dass wann immer  ich etwas mit Menschen zusammen tue, die sich in schwierigen Situationen befinden, immer noch ein Dritter eine Rolle spielt: Nämlich Gott. Und ihm kann ich ganz viel von der Last, die mir vielleicht übergeben wird, weiterreichen. Dann ist es eine geteilte Last und die ist immer wesentlich angenehmer zu tragen, als wenn man allein ist.

 

 

 

?: Lieber Pfarrer Heidkamp, ganz herzlichen Dank für Ihre Zeit und dieses ausführliche und interessante Gespräch.Für die Zukunft alles erdenklich Gute.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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